Ich wollte Euch mit meinem letzten Post nicht erschrecken und ich werde Euch den Blick in meine seelischen Abgründe inskünftig ersparen. Ich vergraule damit nur meine Leserinnen und Leser.
Aber ich denke irgendwo, dass es auch normal ist, wenn man in Zeiten, in denen das Leben einem sehr viel abverlangt, solche Gedanken hegt. Es ist nicht so, dass ich bewusst über Suizid nachdenke. Manchmal, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit bin und über die Autobahn fahre, laufen mir die Tränen über die Wangen. Das ist mir in den letzten Jahren sehr oft passiert. Ohne konkreten Anlass. Einfach aus einer Traurigkeit heraus, aus einem Gefühl von unerfüllter Sehnsucht und Herzschmerz und Hoffnungslosigkeit. Und dann kommt irgendwann der Gedanke, dass es ja einen Notausgang gäbe. Aber diesen Gedanken verwerfe ich dann gleich wieder, weil es nicht meinem Naturell enspricht, aufzugeben. Es käme mir feige vor. Und ich trage eine grosse Verantwortung, weil ich Kinder in die Welt gesetzt habe. Es geht ja nicht nur um mich. Mein Sohn würde daran zerbrechen. Er ist wie ich. Wie ein Teil von mir. Er ist auch zu sensibel, denkt zu viel nach.
Ja, ich bin im Grunde der Dinge unglücklich. Einsam. Sehne mich nach Liebe, nach Zuwendung. Möchte einen Partner haben, bei dem ich auftanken kann. Keinen, der mir die letzte Energie raubt. Hole mir "Streicheleinheiten" bei Männern, die ich nicht liebe und die mich nicht lieben. Das ist irgendwie so traurig und zieht mich noch mehr herunter. Und da ist mein Mann, der sich solche Mühe gibt und mir Kosenamen gibt und so tut als wäre alles in Ordnung. Und ich kann ihn einfach nicht mehr lieben. Vertrage keine Küsse, keine Berührungen. Sein Lachen, seine Sprüche, die Art wie er in Gesellschaft redet. Es befremdet mich. Ich habe deswegen grosse Schuldgefühle.
Eine Trennung ist in weite Ferne gerückt. Meine Kinder müssen jetzt mit dem ersten Schicksalsschlag in ihrem Leben fertig werden. Ich kann ihnen keine Trennung zumuten. Zumal der zweite Grossvater 17 Jahre älter ist als mein Vater. Er wird nicht mehr ewig leben... Mein Sohn hat schon lange Angst vor diesem Moment.
Und auch im Job wächst mir alles über den Kopf. Ich habe das Gefühl, dass ich mich schon lange nur noch "durchmogle" und meine Arbeit ödet mich an. Ich arbeite nur noch wegen dem Geld und weil ich froh bin, zwei Tage von zu Hause wegzukommen.
Das Haus ist "a mess". Zuviele Dinge überall und eine Unordnung. Und ich habe Phasen, in denen ich meine Post nicht mehr öffne. Wochenlang. Unangenehmes ewig vor mich hin schiebe.
Und wenn ich aus dem Fenster blicke oder im Garten arbeite, sehe ich diese Bauprofile stehen. Sie beelenden mich und es kommt mir der Gedanke, dass mein Vater dies wenigstens nicht mehr erleben muss...
Und die Trauer um meinen Vater macht sich nun auch verstärkt bemerkbar.
Ja, es gibt ziemlich viele Baustellen in meinem Leben.
Als ich Mr. Charming getroffen habe vor zwei Jahren, wurde meine Welt plötzlich wieder farbig und ich konnte mich wieder über Dinge freuen und herzhaft lachen. Ich konnte mir dieses Gefühl, diese neue Lebensenergie ziemlich lange bewahren, indem ich alle meine Sehnsüchte und Wünsche auf ihn projiziert habe. Ich habe mich einer Illusion hingegeben. Er hat meinem Leben einen neuen Impuls gegeben. Aber in der Zwischenzeit hat er seinen Zauber verloren.
Ich habe neue Bekanntschaften geknüpft und einen Freund gefunden. Dafür bin ich dankbar. Aber ich merke auch, dass mein Selbstwertgefühl viel zu sehr von äusserer Bestätigung abhängig ist. Wenn meine Freunde sich zurückziehen, brechen alle Selbstzweifel wieder über mich herein. Und ich belaste damit die Beziehung, die mir so wichtig ist.
Tief drin weiss ich, dass ich mir selbst genug sein muss, um eine neue Liebe zu finden. Eine Liebe, die darauf basiert, dass ich jemanden brauche, dass ich mein Lebensglück davon abhängig mache, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Diese Erkenntnis ist vorhanden - aber sie umzusetzen ist schwierig.
So, genug gejammert. Ich bin im Grunde meines Herzens eine Optimistin. Und ich werde mich den Herausforderungen des Lebens stellen.
"Ich wollte Euch mit meinem letzten Post nicht erschrecken und ich werde Euch den Blick in meine seelischen Abgründe inskünftig ersparen. Ich vergraule damit nur meine Leserinnen und Leser".
AntwortenLöschenBitte nicht...wenn du es hier nicht schreiben kannst, wo willst du es denn sonst loswerden?
Das ist deine Seite und du kannst und SOLLST hier deinen Gefühlen Ausdruck verleihen, egal, was für Gefühle das sind...
Wir können uns hier gegenseitig nicht retten, aber wir können uns trösten und sehen, dass wir mit unseren Gedanken und Gefühlen nicht alleine sind...
Sei herzlich gegrüßt
Ach, liebe Karfunkel, Du hast ja recht.
LöschenJa, wo soll ich es sonst loswerden, wenn nicht hier? Ich habe zwar das Glück, eine Handvoll beste Freundinnen und Freunde zu haben, denen ich mich anvertrauen kann und die mich verstehen und die mich mit ihren Gedanken auch immer weiterbringen. Aber das Schreiben hilft, diese Gedanken weiter zu sortieren. Wenn ich hier darüber schreibe, lasse ich die Essenz dieser Gespräche auch einfliessen und es klärt sich vieles noch mehr oder ich verstehe besser, wo der Kern des Problems liegt oder wie ein möglicher Lösungsansatz aussehen könnte. Dass ich meine Gedanken hier niederschreiben kann und wertvolle Feedbacks erhalte, hat mir bisher wohl den Psychiater erspart. Dieser Blog gibt mir sehr viel Rückhalt und hat mein Vertrauen in mich selbst enorm gestärkt.
Und es ist, wie Du sagst: Festzustellen, dass man mit seinen Gedanken und Gefühlen nicht alleine dasteht, ist sehr tröstlich.
Alles Liebe,
Rosalie
Karfunkel hat Recht. Und ich denke, solche Momente gibt es wirklich bei Jedem von uns allen.
AntwortenLöschenViel erschreckender als den letzten Post finde ich fast diesen, denn ich denke, du erfüllst die Anzeichen einer echten Depression in sehr vielen Teilen. Du solltest dich dringend in Behandlung geben.. und das hängt nicht unmittelbar mit dem Tod deines Vaters zusammen, das scheint vorher auch schon der Fall gewesen zu sein. Bitte, bitte - geh zum Arzt! Und pass auf dich auf.. Liebe Grüße!
Es ist bzw. war mir schon bewusst, dass ich gewisse Anzeichen einer Depression erfülle. Und ich habe in meinem Leben auch schon fachärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Als ich mit 20 meine erste grosse Lebenskrise hatte und Panikattacken und Phobien mein Leben beeinträchtigt haben, hatte ich keine andere Wahl. Und ich habe das "Gespenst" besiegen können und das ging nicht ohne medikamentöse HIlfe - und ich musste meine Lebenssituation verändern.
LöschenAber heute fällt es mir schwerer, weil ich denke, dass mir der Kern des Problems bewusst ist, ich jedoch keine Lösung sehe und mir nicht vorstellen kann, inwiefern eine Therapie mir in dieser Situation helfen könnte.
Aber vielleicht unterschätze ich meine Situation und auch die Chancen einer Therapie. Ich werde mir Eure Aufforderung, fachärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, zu Herzen nehmen.
Liebe Grüsse!
Liebe Rosalie,
AntwortenLöschendein Blog ist genau dafür da!
Um für Dich etwas zu schreiben, vielleicht um es beim nochmaligen Lesen aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können.
Und ich geb Frau Vau absolut recht. In deinem aktuellen Post sind Formulierungen, da läuft es mir eiskalt den Rücken runter.
Du solltest dringend über professionelle Hilfe nachdenken.
Da gibt es so viele unterschiedliche Therapiemöglichkeiten.
Du findest bestimmt etwas für Dich passendes.
Und damit hilfst Du nicht nur Dir sondern auch deinen Kindern und deinem Mann und deinem Freund...
Der Gedanke, dass Du etwas aushalten musst für deine Kinder, der ist absurd und gefährlich.
Du musst handeln, für Dich und dadurch auch für deine Kinder!
Genau das bist du ihnen schuldig!
Ich schicke Dir ganz viel Sonne!
Liebe Poesie
LöschenDeine Bemerkung "es gibt so viele unterschiedliche Therapiemöglichkeiten" hat mich aufhorchen lassen! Ich habe bis jetzt nur Erfahrung mit Gesprächstherapie. Als ich vor ein paar Jahren kurz vor einem Burnout stand, habe ich eine Psychologin aufgesucht. Die Gespräche waren gut - aber letztlich haben sie mich nicht viel weiter gebracht, als wenn ich mit einer Freundin oder einem Freund mit Lebenserfahrung über meine Probleme gesprochen hätte.
Und weil ich ja weiss, wo in meinem Fall "der Hund begraben ist", sprich die Ursache meiner Depression ja kenne, fällt es mir so schwer, fachärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, inwiefern mir ein Psychiater weiterhelfen könnte - ausser mit dem Verschreiben von stimmungsaufhellenden Medikamenten, die ich dann doch nicht regelmässig nehmen würde...
Ach, ich weiss auch nicht. Aber vielleicht unterschätze ich meine Situation wirklich. Ich werde vielleicht doch einen neuen Versuch unternehmen und mich an eine Fachperson wenden.
Liebe Grüsse!
Du schreibst Deinen Blog in erster Linie für Dich. Es sind Deine Gedanken, Du schreibst doch nicht das was Deine Leser lesen "wollen".
AntwortenLöschenGefühle sind immer in der Lage Menschen zuverwirren, ob diese aus den Abgründen des Seins stammen oder laut jauchzende Jubelstürme sind. Du kannst immer damit Befremdung auslösen.
Dein Blog hat einen Sender der mit dem Empfänger eins ist. Wir Leser sind nicht die eigentlichen Empfänger, das bist Du selbst. Du erlaubst einen Blick auf Dich, wer nicht sehen will muss nur wegblicken!
Ja, das stimmt schon. Ich schreibe für mich und es ist eine Art von Therapie. Weil sich beim Schreiben und Formulieren so manches ein wenig klärt und gewisse Dinge mir bewusster werden. Trotzdem denke ich oft auch an meine Leser und frage mich, ob sie sich nicht langsam nerven, dass ich mich gedanklich im Kreis drehe... Und wenn ich kein Feedback erhalten würde, weiss ich nicht, ob ich die Stärke hätte, hier weiterzuschreiben. Manchmal denke ich auch, dass ich zuviel von mir preisgebe und gewisse Menschen mich dafür vielleicht "verurteilen". Aber das sollte bzw. muss mir eigentlich egal sein. Ist es aber (noch) nicht ganz - aber ich arbeite dran! :)
LöschenIch finde auch nicht, dass ein Blog dazu da ist, möglichst viele Leserinnen und Leser zu akkumulieren. Wenn ich schreibe, dass mich dein letztes Post schockiert habe, war das eine - aus meiner Sicht - adäquate Reaktion auf halbkonkrete Suizidgedanken von jemandem, den ich sehr, sehr gern habe. Es heisst nicht, dass du hier Rücksichten nehmen musst.
AntwortenLöschenUnd genau darum geht es bei dir, Rosalie. Du schreibst es selber: "Tief drin weiss ich, dass ich mir selbst genug sein muss." Und gleichzeitig bist du verunsichert, weil sich eine Leserin zurückgezogen hat. Wenn du dich immer nach den - oft vermeintlichen - Erwartungen von anderen richtest, bleibt dein eigenes Glück auf der Strecke. Aber das weisst du ja inzwischen - so gut, dass dir Selbstmordgedanken auf Autobahnbrücken durch den Kopf gehen. Das Schiff zu stoppen und den Kurs zu ändern - sprich: deinen eigenen Weg zu gehen (ob mit oder ohne Mann) - ist eine grosse Aufgabe.
Stell dir die Frage, ob du allein dieser Aufgabe gewachsen bist oder ob du Hilfe brauchst. Solltest du Hilfe brauchen - und du wärst nicht die Erste und nicht die Letzte, die das in einer Lebenskrise tut - dann überleg dir, wer dir helfen kann.
Und jetzt möchte ich dich in den Arm nehmen und nichts mehr sagen.
Das ist vielleicht die grösste Lektion, die ich in meinem Leben lernen muss. MEIN Leben zu leben. Nicht das Leben, das andere von mir erwarten. Das Schlüsselwort heisst für mich "authentisch" sein. Authentisch sein zu dürfen... Die Stärke zu haben, hier frank und frei zu schreiben, ohne mir Gedanken darüber zu machen, was meine Leserschaft wohl von mir oder über mich denkt. Ja, es sollte mich wirklich nicht stören, wenn Leser sich von meinem Blog wieder abwenden. Sie werden ihre Gründe haben, die vielleicht nicht einmal zwingend mit mir als Person etwas zu tun haben.
LöschenIch muss aufhören, die gute Tochter sein zu wollen, die es allen recht macht. Vielleicht - und das tönt jetzt etwas krass - wird mir der Tod meines Vaters sogar dabei helfen. Ich muss ihm jetzt nichts mehr beweisen. Ihm das Scheitern meiner Ehe einzugestehen, hätte mich grosse Überwindung gekostet. Ich hätte das Gefühl gehabt, versagt zu haben. Er hat seinen Schwiegersohn sehr geschätzt, weil er ein ehrlicher, aufrichtiger Mensch ist und etwas aus seinem Leben gemacht hat. Er hätte mir bestimmt geraten, mich durchzubeissen. Aus Pflichtbewusstsein. Das hat er selbst auch getan…
Wenn ich mir die Anzahl „Baustellen“ in meinem Leben anschaue, wäre es vielleicht doch ganz hilfreich, mir einen „Bauleiter“ zu suchen, der die Arbeiten in den verschiedenen Bereichen etwas koordiniert…
Alles Liebe!
Deine Rosalie
Das Bild mit den Baustellen und dem Bauleiter gefällt mir.
LöschenLiebe Rosalie,
AntwortenLöschendeine so offenen und ehrlichen Worte, mit denen du deine Lebenssituation beschreibst, berühren mich sehr. Du klingst so traurig zwischen all deinen unerfüllten Wünschen, Träumen und Sehnsüchten. Und dennoch wird für mich darin auch eine unglaubliche Kraft spürbar. Denn du weißt, wonach du dich sehnst, was du willst und was du brauchst. Das ist sehr viel wert.
Ich kenne die Situation, in einer unbefriedigenden Beziehungssituation festzustecken, kenne den verblassenden Zauber von Mr. Charming und das hungrige Sehnen, das er zurücklässt. Ich selbst habe noch keine Lösung für mein Dilemma gefunden, daher kann ich dir auch keinen klugen Rat geben. Mich indessen tröstet der Gedanke, dass manche Dinge einfach Zeit brauchen. Es ist, als müsste die Sehnsucht in uns reifen, solange reifen, bis ihr Ruf stärker wird als alles andere, stärker sogar als Angst und Schuldgefühle, und wir gar nicht mehr anders können, als ihr zu folgen. Das zumindest ist die Hoffnung, auf die ich in diesen Tagen baue, und sie wird von den bisherigen Erfahrungen meines Lebens genährt.
Ich wünsche dir, dass du das Vertrauen in deine eigene Kraft wiederfindest, sei es nun aus dir selbst heraus oder mit der nötigen Hilfe.
Einen lieben Gruß!
Liebe Schattentänzerin
LöschenIch stecke in einer Wolke fest und muss noch viele Dinge klären. Aber die Wolke bewegt sich. Und der Wind wird sie vertreiben und dann werde ich klar sehen und die Sonne wird scheinen und ich werde endlich glücklich sein. Daran glaube ich. Es braucht noch etwas Zeit. Aber ich bin zuversichtlich, dass mein Leben eine gute Wendung nehmen wird. Dass diese Sehnsucht irgendwann einmal erfüllt werden wird.
Dein Blog hat mich sehr angesprochen. Schön, dass Du mich entdeckt hast!
Herzliche Grüsse, Rosalie