Bei meiner Recherche zum Thema Narzissmus bin ich kürzlich auf die geniale Internetseite von Michael Hoffmann gestossen. Er ist Heilpraktiker für Psychotherapie und bietet psychologische Beratung und Paarberatung an. Und wenn Frankfurt am Main nicht fünfhundert Kilometer von meinem Wohnort entfernt wäre, würde ich gleich meinen Mann zu ihm schicken! Nun ja, er bietet auch Online-Beratungen an... ;-)
Seine Website ist eine wahre Schatztruhe voller wertvoller Informationen zu den Themen, die uns alle beschäftigen und ich werde mit freundlicher Zustimmung des Autors den einen oder anderen Beitrag hier auf meinem Blog näher vorstellen.
Der erste Artikel, der mir ins Auge gestochen ist, hat einen sehr interessanten Titel: "Wenn das Mann-sein zur Qual wird"...
Es ist ein zweiteiliger Artikel und ich bin mir sicher, dass der eine oder andere LESER bei der Lektüre neue Erkenntnisse gewinnen wird. Und die LESERINNEN werden endlich verstehen, weshalb Männer so kompliziert sind... "hüstel"...
Zum Teil 2 werde ich in kürze ein weiteres Post schreiben. Nun also ein Auszug aus Teil 1:
Zur Emanzipation der Männer
Was ist typisch männlich? Gibt es das überhaupt? Sind Männer grundsätzlich aggressiver, rücksichtsloser und selbstbewusster als jede Frau? Hat jeder Mann eine geringere soziale und kommunikative Kompetenz als Frauen? Und sind diese immer intelligenter und die besseren Autofahrer?
Eigentlich kann jeder wissen, dass solche Unterschiede individuell, graduell und nicht pauschal geschlechtsspezifisch sind. Auch wenn sie ständig als Pauschalurteile durch die Köpfe und Medien geistern. Typisch männlich bedeutet nicht, dass jeder Mann genau diese oder jene Eigenschaften besitzt. Aber Männer scheinen mehr Probleme als Frauen zu haben, mit dem Leben zurechtzukommen. Dies zeigt z.B. der Männerüberschuss bei Selbstmorden (Männer begehen dreimal häufiger Selbstmord als Frauen), stationärer Psychotherapie und Suchterkrankungen.
![]() |
| Der geplagte Mann |
Wo viel Anspruch ist, ist viel Versagensangst!
Aus dieser Perspektive kann das Verhalten des "Macho" als Kompensation der Versagensängste vor diesen gesellschaftlichen Ansprüchen gesehen werden. Wird dagegen einem Mann die Unerfüllbarkeit dieser Rolle zu deutlich, sind Überkompensationen in Form von Gewalt und/oder extremer Risikobereitschaft die Folge. Auf jeden Fall führt dieses "Versagen" zu Schuld- und Minderwertigkeitsgefühlen und einem deutlichen Sinn- und Identitätsverlust. Die graduellen Unterschiede ergeben sich lediglich aus der unterschiedlichen Stärke des empfundenen Versagens.
Warum emanzipieren die Männer sich nicht?
Wenn Männer unter diesen Ansprüchen leiden, warum kämpfen sie dann nicht darum diese absurde Rolle loszuwerden? Die Frauen haben es in unserer Gesellschaft zu einem guten Teil geschafft und wären doch ein gutes Vorbild.
Aber den verinnerlichten Anspruch stark sein zu müssen überwinden, seine "Schwäche" zu akzeptieren und ihr ein Existenzrecht zu erkämpfen, ist schwer. Schwerer als nur deutlich zu machen, dass man nicht so schwach ist wie die Umgebung es gerne hätte.
Darüber hinaus gehört zur geforderten Männlichkeit ja auch eine Spur Narzissmus. Der Erfolgswille, das Bedürfnis nach Anerkennung, Macht und Einfluss, die Bereitschaft, für materiellen Erfolg große Opfer zu bringen, die Erwartung, für Erfolg auch geliebt zu werden, all das sind typische narzisstische Merkmale. Ein anerkannt "echter Mann" ist eben auch ein Narzisst. Die beliebten Idole aus Sport und Unterhaltung zeigen das deutlich.
Und damit kommen wir an den Grund der ganzen Problematik, denn jede Spur von Narzissmus macht das akzeptieren eigener Schwächen schwerer.
Zum Narzisst wird man erzogen!
Diese narzisstische Tendenz ist keine genetische Veranlagung der Männer, sondern eine Folge ihrer Sozialisierung.
Keine Bindung in der Familie ist so eng, so symbiotisch wie die zwischen Mutter und Sohn. Der (im Allgemeinen immer noch) weniger mit der Erziehung der Kinder beschäftigte Vater und dessen eigenes symbiotisches Verhältnis zu seiner Frau verstärkt diese Mutter-Sohn-Beziehung durch die Konkurrenzsituation. Dazu sind Mütter in der Regel stolz auf einen "liebenden" Sohn und seine emotionale Abhängigkeit und fördern diese unbewusst.
Das Umfeld von Töchtern ist anders. Die Beziehung zur Mutter ist mehr durch Konkurrenz oder manchmal gar Missgunst geprägt. Die zum Vater erreicht nur sehr selten eine Nähe, die zur Bildung eines symbiotischen Verhältnisses ausreichen würde. Dies führt bei Frauen normalerweise zu einer früheren Reife und mehr emotionaler Unabhängigkeit.
Die oft vollständige emotionale Abhängigkeit von der Mutter und die daraus resultierende Konkurrenz zum Vater bleiben aber für das männliche Kind prägend. Da die Verlustangst ein typisches Merkmal symbiotischer Beziehungen ist, wird der Junge alles tun und verinnerlichen, was diesem Verlust entgegenwirken könnte und (narzisstische) Strategien zum Erhalt der Mutterliebe entwickeln.
Bei einer wenig liebevollen Mutter ist die Abhängigkeit (und Verzweiflung) noch stärker, denn hier muss die Anerkennung und Beachtung in einem (oft hoffnungslosen) Kampf errungen werden.
Alle so genannten "typisch männlichen" Verhaltensmuster lassen sich im Wesentlichen auf diese Abhängigkeit zurückführen.
Die Folgen für die Partnerschaft
Die Auswirkungen dieser symbiotischen Mutterbindung in den späteren Beziehungen des Mannes sind gravierend.
Diese Bindung wird (gemäß dem "inneren Kind") fast immer auf die Partnerin übertragen. Nichts ist für das innere Kind dann schlimmer als der "Verrat" durch diese Mutter. Er wird mit der gleichen Dramatik erfahren, wie ein Kind Lieblosigkeit und Nichtbeachtung durch die eigene Mutter empfindet.
Die Tatsache, dass Männer Trennungen schlechter verkraften, öfter deswegen körperliche Symptome entwickeln, und das überstürzte Eingehen einer neuen Bindung sind die Folge davon.
Man könnte sagen, die gesamte Emanzipationsbewegung der Frauen war (und ist) ein Kampf gegen den Symbioseanspruch des Mannes und seine Taktiken sich der Aufmerksamkeit und Anerkennung durch die Frau zu vergewissern.
So bleibt kaum eine Beziehung frei von dieser Problematik. Das Misstrauen, das der Mann einer lieblosen Mutter gegenüber hatte, wird ihn eifersüchtig und kontrollwütig machen. Den Freiraum, den ihm eine verwöhnende, unterwürfige Mutter bot, wird er auch in seiner Beziehung durchsetzen wollen.
Hauptsächlich aber wird er, je nach narzisstischer Prägung, das Gefühl haben, sich die Zuneigung verdienen zu müssen, indem er seine männliche Rolle so gut wie möglich ausfüllt.
Hier beginnt oft ein gefährlicher Kreislauf: Hat die Partnerin nicht ebenso einen Wunsch nach Symbiose, sondern eine natürliche emotionale Unabhängigkeit, so versucht der Mann den scheinbar drohenden Verlust durch mehr Männlichkeit zu verhindern. Damit zwingt er seine Partnerin auf Distanz und nun ist wiederum mehr Männlichkeit angesagt. Und so weiter. Bis zur gefährlich werdenden Karikatur dieser "Männlichkeit".
Den ganzen Artikel könnt Ihr hier lesen!
Und für einmal mache ich es wie Castorp und lasse zum Schluss die Musik sprechen. Es ist ein Song, den wir alle im Ohr haben. Dem Künstler ist es gelungen, das ganze Dilemma so treffend in Wort und Musik auszudrücken, dass man das Lied nie mehr vergisst, wenn man es einmal gehört hat. Ich sag nur: "Wann ist ein Mann ein Mann?...."

Liebe Rosalie,
AntwortenLöschenich habe Deinen Post nur "angelesen", weil ich hier auf Abruf sitze und das Ganze auch nicht so sehr mein Thema ist. Allerdings höre ich fast jeden Tag mehrmals den Song von Frank Ramond "Sie", weil mich der Refrain an den Ex-Glücklichmacher erinnert und an viele andere Männer und Frauen. Ich glaube, ich habe schon vor längerem den Text mal gepostet.
Falls Du an den Song kommen kannst, höre ihn Dir mal an, sofern Du magst. Er beschreibt sehr treffend verschiedene frauen- und männerspezifische Verhaltensweisen und geht dazu noch gut ins Ohr.
Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!
Liebe Rostkopp
LöschenIch hab Deinen Blog durchforstet und bin fündig geworden!
http://rostkopp.blogspot.ch/search?q=frank+ramond
Und reingehört habe ich auch: http://www.frankramond.de/files/03_sie.mp3
Gefällt mir! Ein charismatischer Typ! Ich habe noch nie von ihm gehört! Aber er gehört wohl zu den Sängern, die man hin und wieder im Schweizer Radio auf DRS 1 hört und denkt "netter Song - wer den wohl singt?" (Ich oute mich hiermit gerade als Hörerin des ersten Schweizer Radiokanals... - dort wird ein eher "konservatives" Musikprogramm gespielt... Ich werde alt! Was soll's!)
Lieben Gruss und guten Wochenstart!
Rosalie
Ach Mensch, Rosalie, warum hast Du mir nicht Bescheid gesagt? Ich hätte es Dir doch viel schneller raussuchen können über die Suchfunktion im Dashboard.
LöschenFreut mich, dass es Dir gefällt.
Wo hast Du den File gefunden. Er ist hier mittlerweile überall gesperrt.
LG und Dir auch einen guten Start!
RK
Ich hab nicht lange suchen müssen! ;-)
LöschenIch habe den Namen des Sängers und die Textpassage gegoogelt und auf der Homepage von Frank fand ich diese mp3-Hörprobe. Auf Youtube habe ich auch nichts gefunden.
LG und gute Nacht!
Rosalie
Ich kenne sehr, sehr viele Männer, zu denen der Text passt. Ich selbst habe viele Jahre intensive Auseinandersetzung mit mir und viel Beratung hinter mir, um einigermaßen wegzukommen von diesen Gefühlen, nicht geliebt zu werden, wenn sich meine Frau(en) einfach nur “Erwachsen“ verhalten haben.
AntwortenLöschenToll, dass Du den Mut hattest, Dich dieser Herausforderung zu stellen und an Dir zu arbeiten und sogar Beratung in Anspruch zu nehmen! Es gibt so viele Männer, die den Weg des geringsten Widerstands gehen. Trennung, neue Freudin, Heirat und das ganze Drama beginnt von vorne, wenn sich die angepasste Partnerin in der Midlife Crisis plötzlich zu verändern beginnt. Vielleicht ist das sogar ein Grund, dass sich viele Männer beim zweiten Versuch eine deutlich jüngere Frau aussuchen!? Mehr dazu in meinem nächsten Post!
LöschenLieben Gruss,
Rosalie