Dienstag, 18. Oktober 2011

Ankunft in Egypt

Nach dreieinhalb Stunden Schlaf in einem fremden Bett quasi nahtlos im Anschluss an die Geburtstagsparty  des Lieblingsschwagers  sind wir frühmorgens bzw. mitten in der Nacht an den Flughafen gefahren und haben eingecheckt. Viel Bagage meinte die gutgelaunte Frau am Checkin grinsend mit Blick auf unsere zwei Trolleys... Die 80 kg auf vier Koffer zu verteilen haben wir knapp geschafft, dazu meine ziemlich grosse Handtasche, der superschwere Rucksack des Gatten mit Laptop etc. und jedes der Kinder durfte ein Handgepäck mitnehmen. Sohnemann hat in seinen Trolly nicht weniger als 5 (!) Stofftiere, ein paar Pokemonhefte und seinen DS eingepackt. Die Tochter ihre neuen  Legos, eine Zeichnungsmappe und Farbstifte und das aktuelle Lieblingstier "Krokodila" musste natürlich auch mit. Das süsse blonde Mädchen mit dem grossen grünen Krokodil zog entzückte Blicke auf sich. 

Der Flug verlief recht angenehm, dauerte aber länger als vorgesehen, da die griechischen Fluglotsen wieder einmal am Streiken waren und der Pilot deshalb einen Umweg via Ungarn und den Balkan fliegen musste. Die Kinder schliefen zuerst eine Stunde und freuten sich später darüber, dass der Animationsfilm Rio gezeigt wurde. Und wir Eltern freuten uns darüber, dass uns an Bord die geliebten Sonntagszeitungen druckfrisch abgegeben wurden!

Und dann Ägypten! Meine erste Reise auf den afrikanischen Kontinent. Aus dem Flugzeugfenster sieht man eine gleichfarbig braune Landschaft mit Ebenen und vielen kleinen und grossen Erhebungen und weit und breit nichts Grünes! Ein ockerfarbenes Relief so weit das Auge reicht.

Hin und wieder eine schmale, schnurgrade Strasse oder ein viereckiges Wasserreservoir. Die wenigen Häuser, die man vereinzelt aus der Luftperspektive entdecken kann, heben sich farblich kaum von der Erde ab. Schliesslich dann der Golf von Akaba. Dort wo Ägypten, Israel, Jordanien und Saudiarabien, zusammenkommen... überall das selbe Bild. Braune Erde und Sand ohne jede Vegetation - soweit das Auge reicht. Weiter über das Rote Meer, das sich wohltuend türkisfarben abhebt und schliesslich tauchten diese künstlichen Badeorte auf, inmitten von üppigem Grün und  hellblauen Poollandschaften. Irgendwie seltsam verloren - like dropped down from space! Und dann betraten wir erstmals diesen staubigen geschichtsträchtigen ägyptischen  Boden und begaben uns zur Passkontrolle. Dort warteten schon mind. 300 andere Touristen und es gab keine wohlgeordneten Schlangen, sondern ein unübersichtliches Gedränge. Ein Einheimscher hielt ein Kartonschild mit der Aufschrift " Ask for V.I.P. Service! No queuing on passport control!" in die Luft... Ich widerstand dem "verlockenden" Angebot und so warteten wir halt gefühlte anderthalb Stunden und ich war dankbar, das wir so tolle Kinder haben, die das alles ohne zu quengeln über sich ergehen liessen und das nach einer Nacht mit viereinhalb Stunden Schlaf! Schliesslich kriegten wir unsere Stempel in die Pässe und machten uns auf die Suche nach dem Gepäck.

Wir warteten und warteten und endlich kam die grosse Reisetasche mit den Kleidern vom Gatten und Sohnemann. Immer mehr Leute zogen mit ihrem Gepäck von dannen und wir warteten immer noch und wurden langsam ein wenig nervös... Dann stoppte das Rollband. Das durfte doch wohl nicht wahr sein! Es standen noch etwa fünf andere Familien dort und es herrschte eine ziemliche Anspannung. Ein grauhaariger cholerischer Italiener machte seinem Unmut Luft, seine deutlich jüngere Ehefrau wippte auf beeindruckend hohen Absätzen und verdrehte die Augen und eine junge Frau mit einem elfmonatigen Baby meinte cool "Super - beide Koffer fehlen und ich habe noch Milchpulver für 12 Stunden im Handgepäck...!". Und wir standen da mit einem von vier Koffern...! Der lokale Reiseleiter begann herumzutelefonieren und meinte dann fast triumphierend, dass das Problem (entgegen gängiger Klischees) nicht an der ägyptischen Gepäckabfertigung läge, sondern an einem Stromausfall im Zürcher Flughafen! Das fehlende Gepäck sei noch in der Schweiz!!  Wie bitte? Das war doch wohl nicht zu glauben! In Zürich fällt der Strom aus und die Koffer schaffen es nicht bis ins Flugzeug?? Hallo? Haben wir etwa keine Notstromaggregate am Flughafen? In Honduras stehen die en masse auf der Strasse herum... 

Ein etwas begriffsstutziger Ägypter ("Suitcase is olive color? But olive and green is the same, olive is green... " - ich versuchte ihm vergeblich  klarzumachen, dass wir einen froschgrünen und einen olivfarbigen Koffer hätten...) füllte umständlich ein Formular aus - in arabischer Schrift - und wir mussten dann unterzeichnen. Hoffe mal, dass es keine Verzichtserklärung ist, die wir unterschrieben haben... und Kopie kriegten wir auch keine. Schliesslich sassen wir dann mit ziemlich wenig Gepäck in einem Minibus, der uns zum Hotel fuhr. Und auf dieser Fahrt auf der Autobahn, die nach Kairo führt, wurde mir etwas so richtig bewusst: Die Gefahr in Ägypten einem Verkehrsunfall zum Opfer zu fallen ist exorbitant  höher als Opfer eines Attentats zu werden... Unser Kleinbus wurde abwechslungsweise von links und rechts von einem  alten Lastwagen mit Anhänger überholt, dessen Chauffeur gerade in ein Telefongespräch vertieft war und da unser Chauffeur seinerseits es nicht toll fand, von einem Ladtwagenzug überholt zu werden, endete das Spielchen erst, als endlich die rettende Abzweigung nach El Gouna kam... Natürlich gab es keine Sicherheitsgurte und Kindersitze sowieso nicht...  Zu Hause würde ich ohne Sitzerhöher mit meinen Kindern keine  500 m weit mit dem Auto fahren... In den Ferien tickt der Mensch offensichtlich anders - crazy!

Ich war gespannt auf das Hotel mit 5 Sternen. Eine weitere Première. Ein Angestellter bestand darauf, uns mitsamt Gepäck mit einem Elektromobil durch die weitläufige Hotelanlage mit den vielen zweistöckigen Gebäuden zu fahren. Nach 200 m (!) hielt er an und zeigte uns das Zimmer! Es ist riesig und hat eine eigene Terrasse mit Blick auf die Lagune.  Wenn es hier etwas im Überfluss gibt, ist es Platz! Fünf Sterne in Ägypten entsprechen einem Viersternhotel in der Schweiz, nur dass alles weniger perfekt und etwas schmuddliger  ist. Kein Wunder - es gibt hier keine Zimmermädchen! Es sind Männer, die hier arbeiten und die sind offenbar weniger pingelig... ;-) Aber das Zimmer ist absolut ok - obwohl ich schon ein wenig mehr erwartet hätte. Dafür gibt es zwei Flatscreens im selben Raum im Abstand von 2 Metern... aber dafür keinen Wäscheständer, um die feuchte Badekleidung auf der Terrasse zu trocknen.

A propos Badekleidung... Ich habe wohl eine Ahnung gehabt... jedenfalls habe ich mein Lieblingsbadeoutfit, eine Garnitur Ersatzwäsche, eine Sommerhose und eine weisse Kurzarmbluse in meine "Handtasche" gepackt! Aus diesem Grund blieb ich erstaunlich gelassen ob der Tatsache, dass mein Koffer mit den fünf Paar Schuhen, sämtlichen Kleidern, den Toilettensachen, Medis etc. irgendwo weit weg von mir herumlag...  Als erstes kauften wir im Hotelshop Flipflops und ein Badekleid für die Tochter, die es ebenfalls erstaunlich cool nahm, dass ihre Kleider nicht angekommen waren. So weihten wir den riesigen Hotelpool ein und später "stürmten" wir das grosszügige Abendbuffet und gingen etwas übersättigt früh schlafen! Soweit unsere Eindrücke vom ersten Tag in Ägypten!

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