Donnerstag, 17. November 2011

Sind Blogger bloss Selbstdarsteller?

Eigentlich  wollte ich ja bloss hier kommentieren. Und mich auch nur ganz kurz fassen... Was wieder einmal gründlich misslungen ist und mich statt dessen dazu veranlasst, meinen eigenen Blog zu alimentieren.

Castorp wirft die Frage auf, ob wir Menschen (und die Blogger im Speziellen) nicht im Grunde der Dinge alle nur Selbstdarsteller sind. Vom Wunsche beseelt, den Mitmenschen unser wahres Ich zu zeigen und als das (an)erkannt zu werden, was wir wirklich sind.

Ich persönlich halte es nicht für erstrebenswert, dass meine Mitmenschen im realen Leben alle mein wahres Wesen erkennen. Es ist mir ganz recht, wenn nicht alle hinter meine Fassade blicken können. Wer zu viel von sich preisgibt, wird angreifbar und verletzlich. Ich möchte einfach bloss authentisch sein können und sein dürfen. Das reicht.

Natürlich sind wir Blogger in gewisser Weise alle Selbstdarsteller und es spielt keine Rolle, ob wir Banales aus unserem Alltag berichten, Lebenskrisen offenbaren oder Selbstgebasteltes präsentieren. Die Sehnsucht nach Anerkennung steckt in uns allen. Und niemand wird ernsthaft behaupten können, dass ihm die Zahl der eingetragenen Leser egal ist. Jeder neue Leser ist Balsam für das Ego. Jeder neue Kommentar eine Bestätigung. Aber es geht um mehr.

Das Bloggen eröffnet uns die Möglichkeit, im Schutz der Anonymität unseren Gedanken freien Lauf zu lassen, ohne dafür im realen Leben zur Verantwortung gezogen zu werden.  Es lässt uns Antworten auf offene Fragen finden. Es führt Gleichgesinnte zusammen und ermöglicht uns, in den Weiten des globalen Dorfs Menschen kennenzulernen, die auf der gleichen Wellenlänge sind, und die wir im realen Leben nie getroffen hätten. Menschen, die zu Freunden werden können, so dass wir aus der Anonymität heraustreten und ihnen Einlass in unser reales Leben gewähren. Menschen, die uns wertvolle Denkanstösse liefern und unser Leben bereichern. Darum geht es. Nicht nur. Aber vor allem.


15 Kommentare:

  1. Natürlich sind alle Menschen Selbstdarsteller - die Frage ist doch eher, warum dieser Begriff immer negativ belegt ist. Irgendwas musst du halt darstellen, wenn du vor die Tür gehst und wenn nicht dich selbst, was dann? ;) [Küchenphilosophie nach nur einer Tasse Kaffee. ;)]

    Das Bloggen ist für mich eine verschärfte Form der Selbstdarstellung, weil du besser steuern kannst, welche Seite du inszenieren möchtest. Und sonst hast du für meinen Geschmack wunderbar auf den Punkt gebracht, was das Bloggen so erstrebenswert macht und warum es eben nicht das Tagebuch tut, das man in der Schublade aufbewahrt. Ich genieße es, beim Bloggen schreibenderweise die Seiten zu "leben", die im normalen Leben vielleicht ein wenig zu kurz kommen. Oder Meinungen zu äußern, mit denen ich sonst lieber hinterm Berg halte - um des lieben Friedens willen. ;)

    P.S: Sind Sie das auf dem Foto, Frau Rosalie? Toller Nagellack! *schmacht* Und eine beneidenswerte Urlaubsbräune. ;)

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  2. Jeder Mensch spielt in jeder Sitaution seine Rolle...

    Anders geht es nicht.

    In der Arbeit spielt man die Rolle, des Kunden, des Lieferanten, des Kollegen, des Chefs, des Mitarbeiters etc.

    In der Familie, als Kassenwart, als Kummerkasten, als Mutter, als Liebhaberin, als was weiß ich.

    etc pp...
    Anders würde die Gesellschaft doch nicht funktionieren.

    SElbst in Bloggerhausen spielt jeder in seinem Blog die Rolle, die er annehmen möchte. Das ist auch gut so...

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  3. Dein letzter Absatz ist der Grund dafür, warum ich mit dem Bloggen begonnen habe. Leider ist - wenn man es ernst nimmt - die Möglichkeit des anoymen Wirkens nicht wirklich gegeben.

    Mein vorrangiges Interesse bestand darin, mich unabhängig und unerkannt zu Themen äußern zu können (und Feedbacks dazu zu bekommen), die ich jetzt gar nicht mehr anspreche, weil es RL Nachteile für mich haben könnte.

    Ein Grund, warum ich immer wieder überlege, es sein zu lassen.

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  4. Sein wir doch mal ehrlich, wenn wir alle im realen Leben auf einmal keine Rollen mehr ausfüllen würden, würden Welten zusammenbrechen.

    Manchmal weiss ich ja selber kaum, wer ich bin, wie sollen meine Mitmenschen das denn wissen.

    Ja, der Traum ist, "erkannt" zu werden, einen Menschen zu haben, der einen sieht, so wie man ist und das voll und ganz akzeptiert. In meiner Beziehung ist das Utopie. Trotzdem ist es eine Beziehung, die ich deshalb nicht einfach wegwerfen würde.
    Es gibt zwei Freunde, die (fast) alles von mir wissen und mich trotzdem lieben. Eine Beziehung würde ich mit ihnen aber nicht haben wollen, das wäre so intensiv, dass ich mit dem Tagesgeschäft nicht mehr klar käme.
    Hier in den Bloggs habe ich die Möglichkeit, mich auszuprobieren, mich darzustellen, wie ich (manchmal) bin oder gerne sein würde. Klar, wenn ich schon schreibe und es die Möglichkeit gibt, dass andere darauf reagieren, warum soll ich mich dann über Leser nicht freuen.
    Hier tun sich Welten auf, hier darf ich spielen, darf mich kreieren oder auch einfach nur so sein, wie ich gerade bin.
    Faszinierend finde ich auch die Welten der anderen, und obwohl ich mich dort oft wiedererkenne, ist es nicht langweilig, sondern mitunter tröstlich.

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  5. Vieles von dem, was du schreibst, macht den Reiz des Bloggens aus. Ganz zweifellos. Ich meine auch nicht, dass wir eine Rolle spielen, nur weil wir nicht unser Innerstes nach aussen kehren. Sowas muss nicht sein. Zumal uns unser Innerstes auch oft nicht bewusst ist. Freud.
    Mit dem Wort "Gleichgesinnte" hatte ich schon Probleme, als man in den Zeitungen noch Kontaktanzeigen von unter 60-Järhigen lesen konnte. Immer wurden da "Gleichgesinnte" gesucht. Welche Sinne sollten da gleichgeschaltet sein?

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  6. Ach ja... Und das Wort "bloss" hast d u dazugegeben. :-)

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  7. ZU viele Gedanken in meinen Augen, was soll's? Ich bin der Blogg und der Blogg ist ich, er ist so wie ich bin, dynamisch eben.

    Ich bin eine Geschichtenerzählerin, lesen kann wer will und Leserzahlen haben nur am Anfang eine Rolle gespielt. Meine Weisheiten verkünde ich im Leben genau so unverblümt wie im Blogg, eher im. Leben noch unverblümter als im Blogg.

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  8. @Anna:
    Bin beeindruckt von Deiner "Küchenphilosophie"! Und das nach einer einzigen Tasse Kaffe?! ;-) Und ohne das Bloggen hätte ich nie das Vergnügen gehabt, mir die genial geschriebenen Texte einer gewissen Alltagsgöttin zu Gemüte zu führen - in Buchform gibt's die ja noch nicht! Oder doch? ;-)

    P.S. Das Foto ist typähnlich! Nagellackfarbe und Urlaubsbräune stimmt - bloss mein Sofa ist braun! ;-)

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  9. @Crooks

    Stimmt - jedenfalls was das wahre Leben angeht. Aber ich bin noch am Überlegen, welche Rolle ich in meinem Blog spiele... Hmm. Keine Ahnung! Ich schreibe einfach, was mir so durch den Kopf geht... Ich bin einfach Ich. Basta.

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  10. @Rostkopp

    Ja, mit der Anonymität ist es so eine Sache... Wenn man die Leser "richtig" an seinem Leben teilhaben lässt, so wie wir beide es tun, besteht natürlich theoretisch die Möglichkeit, dass jemand aus dem Bekanntenkreis zufällig den Blog findet und man erkannt wird. Es ist deshalb eine Gratwanderung. In der kleinen Schweiz ist dieses Risiko noch viel höher...

    Mein "Schutzmechanismus" (vor mir selbst!) besteht darin, dass ein paar ganz enge Freundinnen und Freunde mitlesen. Das bewahrt mich dafür, ALLES preiszugeben... Noch bin ich nicht so weit, dass ich sagen könnte: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert!" ;-))

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  11. @Karfunkel86

    Du meinst also, dass eine Beziehung mit einem ganz engen Freund, der alles von Dir weiss und Dich (trotzdem) liebt, zu intensiv und deshalb nicht "alltagstauglich" wäre? Das ist ein sehr interessanter Gedanke!

    Aber wenn ich es mir recht überlege, möchte ich trotzdem lieber eine "intensive" Beziehung als ein pseudoharmonisches alltagstaugliches Nebeneinander. Aber wahrscheinlich will man immer gerade das, was man nicht hat...

    Und ich finde es auch tröstlich, wenn ich mich in andern Blogs wiedererkenne. Es tut einfach gut zu wissen, das man nicht die einzige Person ist, die bestimmte Gedanken oder Probleme mit sich herumträgt.

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  12. @Castorp

    Ja der gute alte Freud hat vermutlich nicht ganz unrecht. Ich stelle mir vor, dass das Innerste ein grosser Edelstein ist, verpackt in ganz viele Lagen Seidenpapier. Diesen Edelstein nach und nach freizulegen, ist wohl eine Lebensaufgabe... Meiner ist glaube ich noch ziemlich gut verpackt.

    Gleichgesinnte sind für mich Menschen, die ähnlich denken und fühlen und sich vielleicht sogar für ähnliche Themen interessieren.

    P.S. Stimmt... Habe den Posttitel "bloss" ein wenig akzentuiert ;-)

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  13. @Vanilla

    Ich schreibe auch frank und frei in meinem Blog und im realen Leben bin ich auch jemand, der offen sagt, was er denkt. Auch wenn ich mich damit manchmal exponiere.

    Aber ich bin nun mal verheiratet und lebe in einer nach Aussen hin intakten Ehe. Wir haben einen grossen Freundes- und Bekanntenkreis und viele würden sich verwundert die Augen reiben und wären schockiert, wenn diese langjährige Partnerschaft auseinanderbrechen würde.
    Ich führe ein geheimes Doppelleben, von dem mein engstes familiäres Umfeld nichts ahnt. Es gibt gewisse Dinge, die ich NUR in meinem Blog thematisieren kann...

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  14. hab auch erst vor kurzem auf meinem Blog geschrieben warum ich überhaupt blogge. Es passiert so viel und ich möchte nichts vergessen und Tagebüche habe ich in meiner Jugen bestimmt 100 angefangen aber nie durchgezogen. Bloggen trägt zur Unterhaltung bei und manchmal kann vielleicht der eine oder andere Tips bekommen. Sagen wir mal so: Es ist Selbstdarstellung auf höherem Niveau (hoffe ich jedenfalls), weil ich denke die meisten Blogger machen sich viele Gedanken über das Leben im allgemeinen und natürlich das eigene im besonderen. Gruß von kunstecht

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  15. @Kunstecht

    Herzlich willkommen auf meinem Blog! Das mit den angefangenen Tagebüchern kenne ich. Einige habe ich in meiner frühen Jugend tatsächlich vollgeschrieben aber irgendwann vor ungefähr 20 Jahren habe ich damit aufgehört. Mein Blog ist in der Tat auch eine Art Tagebuch. Manchmal möchte ich meine Posts gerne ausdrucken und in ein Couvert stecken, damit meine Kinder dereinst diese Seite von mir kennenlernen, wenn ich einmal nicht mehr da bin. Anderseits habe ich Respekt davor, meine Worte und Gedanken auf Papier gedruckt zu sehen. Wehe, wenn sie in falsche Hände geraten... Ich muss dann immer an Effi Briest denken und wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie die Liebesbriefe verbrannt hätte...

    Liebe Grüsse,
    Rosalie

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