Melancholische Grundstimmung
schon den ganzen Tag. Ein Blick aus dem grossen Fenster gen Westen verstärkt das
Gefühl beträchtlich. Dort wo das Auge heute
eine idyllische Landschaft erblickt, werden in einem Jahr wohl zwei Häuser
stehen. In zwanzig Meter Entfernung zwar aber
dennoch… es ist einfach schade. Sehr, sehr schade. Es ist zum Heulen. Dreizehn Jahre
haben wir sie genossen, diese wunderschöne Aussicht. Natürlich war uns bewusst,
dass das Land irgendwann einmal verkauft werden könnte, aber wir haben den
Gedanken daran immer verdrängt. Und unser Interesse signalisiert, falls der
Besitzer es dereinst verkaufen will. Gestern nun erwähnt die Nachbarin
(burschikose Natur mit nicht besonders ausgeprägter Sensibilität in gewissen
Angelegenheiten) beim Apéro beiläufig, ob wir schon wüssten, dass wir neue
Nachbarn bekommen würden…
Ich hab mich fast am
Sauvignon Blanc verschluckt und mein Herz ist augenblicklich einen Stock tiefer
gesunken. Betretener Blickwechsel mit meinem Mann. „Was? Wie bitte? Ist aber nicht wahr, oder!?
Und wieso hat uns das niemand gesagt, dass das Land verkauft werden soll?“…
Weil der Landbesitzer wegen
Demenz ins Altersheim gekommen ist und sein Sohn ein verkorkster komischer Eigenbrötler
ist, der uns noch nie besonders gut leiden konnte. Wie es scheint, ist das Land
schon verschrieben. Für eine Intervention ist es also zu spät. Realistisch
gesehen hätten wir es uns nicht leisten können, es zu kaufen, um den Garten zu
erweitern. Auf jeden Fall wäre dies hochgradig unvernünftig gewesen. Anderseits…andere
Leute kaufen teure Sportwagen. Das finde ich persönlich viel unvernünftiger.
Der Verkorkste hätte uns wenigstens eine
faire Chance einräumen können, uns ernsthaft mit dem Gedanken
auseinanderzusetzen. Wir sind enttäuscht. Und traurig. Wieder eine Epoche, die
zu Ende geht…
Es ist mir schon bewusst,
dass es ein „Luxusproblem“ ist, das ich gerade beklage. Andere Leute haben
Geldsorgen, müssen sich mit Krebsdiagnosen und Arbeitslosigkeit
auseinandersetzen. Das relativiert unser
„Problem“ ein wenig. Aber ich bin trotzdem traurig.
Und auch sonst gibt es heute
nichts Erfreuliches zu berichten. Schon der 4. Advent und so wenig Weihnachtsstimmung
wie seit Jahren nicht mehr. Ich habe gestern realisiert, dass ich die
künstliche Tannengirlande mit den elektrischen Lämpchen, die ich jedes Jahr
beim Eingang zum Wohnzimmer aufhänge, dieses Jahr schlicht
vergessen habe. Und die übrigen Familienmitglieder haben es anscheinend auch
nicht bemerkt. Ob ich sie noch aus dem Keller holen soll? Schliesslich werden
wir dieses Jahr auch keinen Indoor-Weihnachtsbaum haben. Im Garten draussen steht die
geschmückte kleine Tanne im Topf, die jeweils nach Einbruch der Dunkelheit zu
leuchten beginnt. Aber die hat auch schon bessere Zeiten gesehen…
Blöder Tag. Und das Wetter passt auch dazu. Es kann sich nicht entscheiden, ob es schneien oder regnen soll. Und zu allem "Elend" habe ich heute noch keine einzige SMS gekriegt! Nicht eine! Und auch kein neues
Mail. Nun gut, das könnte auch daran liegen, dass ich noch drei Mails beantworten
muss. Aber trotzdem.
Dass ich heute schon eine ganze
Wochenration Schokolade gegessen habe und mindestens zwei Raffaellokugeln, hilft auch nicht gerade, meine Stimmung zu heben. Ich traue mich schon gar
nicht mehr auf die Waage.
Der Kuschelponcho allein reicht im Moment überhaupt
nicht aus als Seelentröster.
Nächstes Jahr wird alles
besser. Hoffentlich…
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| Taugt auch nur bedingt als Seelentröster... |