Dienstag, 29. Mai 2012

Antwort an Mimi

Liebe Mimi

Danke für Deinen Kommentar! Ich muss gestehen, dass ich zunächst einmal leer geschluckt habe. Kommentare können ja verschieden interpretiert werden, je nachdem in welcher Stimmung man gerade ist. Gestern war nicht mein bester Tag und er hat mir deshalb etwas zugesetzt. Ich wollte Dir in Kommentarform antworten, aber das Kommentarfeld hat sich beklagt, dass meine Antwort zu  umfangreich sei. Erstaunlich... Deshalb antworte ich Dir auf diesem Weg.
Nach Lektüre Deines Kommentars ist bei mir zunächst folgende Botschaft angekommen:

Rosalie ist an einer Lösung ihres Problems überhaupt gar nicht interessiert! Sie findet Gefallen daran, auf ihrem Blog zu lamentieren (lauter Pathos), sich selbst zu bemitleiden und herum zu jammern  und sucht dabei Aufmerksamkeit und Trost. Genau wie in dem Lied "Die Lösung" von Annett Louisan.  Zu allem Elend will sie sich noch mit ihren intellektuellen Fähigkeiten profilieren. Die Schuld für ihre Misere schiebt sie andern in die Schuhe, anstatt selbst dafür die Verantwortung zu übernehmen. Sie schreckt nicht mal davor zurück, über andere zu urteilen bzw. sie zu verurteilen! Sie ist durch und durch Kopfmensch und das FÜHLEN verdrängt sie. Sie ist zu feige nicht mutig genug, sich ihren GEFÜHLEN zu stellen und flüchtet sich statt dessen ins DENKEN und GRÜBELN…
Das ist "dicke Post" - wie wir in der Schweiz zu sagen pflegen, liebe Mimi. Du schreibst in einem neueren Kommentar an Castorp, dass Du mich nicht angreifen wolltest.  Das will ich Dir gerne glauben und ich weiss schon, dass Du es eigentlich gut meinst. 
Aber vielleicht solltest Du Deine konstruktive Kritik beim nächsten Mal etwas subtiler formulieren und den Imperativ weglassen? Ich kann nämlich durchaus zwischen den Zeilen lesen. Mag sein, dass ich im Moment etwas überempfindlich bin und überreagiere und ich habe wirklich kurz in Betracht gezogen, mein Blog vom Netz zu nehmen.

Castorp hat mich dann wieder etwas "auf den Boden geholt" und ich bin ihm dankbar, dass er seine Sicht der Dinge eingebracht hat und für mich Partei ergreift und mich darin bestärkt, dass ich nicht auf dem komplett falschen Weg  bin.
Mimi, Du schreibst zum einen, dass ich nicht mutig genug bin, zu FÜHLEN und durch den Schmerz und die Leere hindurch zu gehen. Anderseits schreibst Du, dass ich genau diesen Schmerz ja hege und pflege – mit lautem Pathos noch dazu! Ich bin gerade etwas ratlos! Was  willst Du mir genau sagen?

Wenn man meinen Blog von A-Z durchliest, wird man feststellen, dass ich heute sehr viel weiter bin als noch vor einem Jahr.  Weil ich mit vielen Menschen über meine GEFÜHLE gesprochen habe! Weil ich darüber in meinem Blog geschrieben und laut gedacht habe! Und weil die vielen Feedbacks mich weitergebracht haben! Inzwischen verstehe ich besser, wieso ich so FÜHLE, wie ich FÜHLE! Indem ich darüber NACHDENKE! Das FÜHLEN und das DENKEN kann ich nämlich gar nicht trennen! Wie soll man das auch trennen? Mein Blogfreund Castorp hat es wunderbar auf den Punkt gebracht. Ich kann mich seinem Kommentar nur anschliessen.

Glaub  mir, es liegt mir fern, jemandem die Schuld für mein Problem in die Schuhe zu schieben. Weil es nämlich keine Schuldigen dafür gibt! Weder mache ich meinen Eltern einen Vorwurf (sie haben getan, was sie konnten) noch meinem Mann (ich habe ihn mir ja selber  ausgesucht).

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5 Stunden später...

Ich habe inzwischen ein paar Tischtennisrunden  gespielt, meinen Mann angefaucht, nachdem er zum wiederholten Male ohne anzuklopfen in mein Büro reingeplatzt ist,  mir sagen lassen, dass ich eine richtig "böse" Frau geworden bin, eine neue Erkenntnis gewonnen, die mich kurz erschüttert hat, mir auf dem Schaukelbrett ein paar Gedanken gemacht und zwei Gläser Rotwein getrunken...

Verdammter Mist! Ich glaube Mimi hat recht! Ich mache meinen Mann verantwortlich für meinen Lebensfrust! Dabei kann er nichts dafür. Er ist eigentlich sehr anständig und geduldig mit mir, lässt mir meine Freiheiten - seitdem ich sie mir nehme! - und  besteht noch nicht mal auf der Erfüllung ehelicher Pflichten...

Wieso will ich ihn eigentlich verlassen? Ihn und das tolle Haus, die komfortablen Autos, die Segeljacht und die Ferienwohnung in den Bergen? Wegen der Liebe? Bin ich noch zu retten?!

Als ob es mit der Liebe schon jemals geklappt hätte! Ich sollte es wirklich langsam geschnallt haben... Rosalie und die Liebe - das funktioniert einfach nicht.

Ok, ich könnte alleine mit den Kindern leben und mir eine schöne Wohnung oder sogar ein Haus einrichten. Meinen Volvo könnte ich behalten. Ich könnte darauf hoffen, einen geistreichen, liebenswerten Mann zu treffen, der meine kinderlosen Wochenenden bereichert. Oder sogar für Ferien taugt. Und sonst wären da ja noch meine Freundinnen. Und ich könnte mir einen Liebhaber suchen. Oder mehrere.

Ich könnte allerdings auch bei meinem Mann blieben, Stimmungsaufheller schlucken, wieder funktionieren und mir trotzdem einen Liebhaber suchen. Einfach mein Leben geniessen. Endlich aufhören, alles zu hinterfragen! Mit dem zufrieden sein, was ich habe.

Ja, Mimi, ich weiss... Ich sollte aufhören, hier rumzujammern und mich einfach mal entscheiden!  Gehen - oder  bleiben? Und wenn bleiben - dann Klappe halten.

Soviel für heute. Morgen sieht möglicherweise alles wieder anders aus.

Bonne nuit!




11 Kommentare:

  1. Rosalie, du bist auf dem richtigen Weg!
    Du hast Deinen Mann angefaucht? Er meint Du seist eine richtig böse Frau geworden? Genau das solltest Du sein! Bravo!
    Er ist eigentlich ganz anständig? Wenn er in Dein Zimmer kommt, ohne anzuklopfen? Wenn er sich nicht mit Dir auseinandersetzt, wenn er Dich dauernd auflaufen lässt?
    Rosalie, nochmal, Du bist auf dem Weg. Wenn Du zurückschaust, dann siehst Du wie weit Du gekommen bist. Wenn Du jetzt aufgibst, musst Du vielleicht irgendwann wieder ganz von vorne anfangen.
    Wo, wenn nicht in diesem Blog, kannst Du jammern, schimpfen und die Verantwortung abschieben, egal, Du kannst hier voll die Sau rauslassen ;) Das ist okay! Ich weiß und du weißt selbst, dass Du im realem Leben (noch lange) nicht so bist.
    Rosenstolz: Wenn Du jetzt aufgibst

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    1. Hej Nouniouce, danke für Deinen Zuspruch!

      Ich möchte keine "böse" Frau sein. Aber ich vertrage es nicht mehr, wenn man meine Privatsphäre verletzt. Mein Mann ist der Ansicht, dass die Zimmertüren offen sein sollten... - schliesslich seien wir eine Familie.

      Symbiose statt Eigenständigkeit. Eine typisch narzisstische Beziehung, die wir da führen. Es besteht wirklich Handlungsgedarf...

      Liebe Grüsse,
      Rosalie

      P.S. Das Lied ist toll!

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  2. Liebe Rosalie,

    ein wenig off-topic, aber dann vielleicht gar nicht so off-topic: ich bewundere dich für jede Frage die du dir selber stellst, denn du hättest zur Zeit jeden Grund, dich vor dir selbst zu flüchten, dich nicht deinen Problemen zu stellen, denn du hast erst kürzlich einen schweren Verlust hinnehmen müssen. Es ist schlichtweg falsch, hier zu sagen, dass du dich deinen Gefühen nicht stellen würdest. Du verarbeitest zur Zeit vieles, eben auch einen schweren Verlust.

    Ah ja, und zum Topic: ich lese aus deinem Posting zwei Gläser Wein heraus. Auch ok! Aber halt nicht "du" wie "du" (sonst) bist.

    liebe Grüße, Daniela

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    1. Danke, liebe Daniela!

      Ja, es ist wirklich sehr viel auf einmal... Ich habe die Trauer um meinen Vater noch immer abgekapselt. Sie kommt jetzt vermehrt hoch und es passiert mir immer noch, dass ich denke, dass das doch alles gar nicht wahr sein darf...

      Und wenn dann noch andere Herausforderungen hinzukommen und man sich von Illusionen verabschieden muss, braucht es manchmal etwas Trost. Aber ich trinke ja nur Wein - auch wenn ich einen Whiskey gebraucht hätte... Das Rauchen habe ich vor 12 Jahren aufgegeben...

      Herzlich,
      Rosalie

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Liebe Rosalie

    Danke für die ausführlichen Antworten. Die Tatsache, dass sie so unterschiedlich ausgefallen sind, finde ich sehr bemerkenswert.

    Nein, liebe Rosalie, Du bist nicht auf dem falschen Weg, lediglich auf deinem ganz persönlichen und zunehmend selbstbestimmten Weg. Deshalb wünsche ich dir, dass Du dich nicht zufrieden gibst mit dem was Du hast, sondern mit dem was Du bist (auch ohne Muntermacher).


    Alles Gute auf deinem Weg,
    Mimi

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    1. Danke Mimi!

      Ich hoffe, dass Dir die Lust am kommentieren nicht abhanden gekommen ist! ;-)

      Herzliche Grüsse,

      Rosalie

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  5. Liebe Rosalie



    Du stellst in der Tat die richtigen Fragen, und das ist ein schöner Schritt in Richtung Handeln. Und zwar nicht kopfloses Handeln. Schliesslich hängen von deinem Handeln auch noch andere Leute ab: dein Mann und deine Kinder. Das heisst nicht, dass du ihnen alles unterzuordnen hast, aber sie in deine Gedanken einzubeziehen - oder im Fall deines Mannes - Gedanken mit ihm zu entwickeln, wie es mit eurer Ehe weitergehen soll (und nicht nur anfauchen, wenn ich mir diesen kritischen Sidekick erlauben kann).



    Darf ich die richtigen Fragen noch einmal hervorheben? Eigentlich ist es nur eine Frage:

    

Warum verlasse ich meinen Mann nicht?



    Du hast verschiedene Antworten

...

    a) das tolle Haus

    b) die komfortablen Autos
    
c) die Segeljacht

    d) die Ferienwohnung
    
e) ich nehme an, noch weitere Annehmlichkeiten des gehobenen Mittelstandes



    Wenn es für dich das ist, was ein glückliches Leben ausmacht, dann bleib in deiner Ehe. Wenn es noch mehr Autos, Häuser, Jachten und Wohnungen und dergleichen sein sollen, dann bleib und stachle deinen Mann an, fleissig weiterzuarbeiten! (Gemerkt? Imperativ!)

    Wenn du aber die Vorstellung hast, dass Glück im Leben jenseits von materiellem Wohlstand und Statussymbolen liegt, dann steht deine Ehe in der Tat auf dem Prüfstand. Kannst du dieses Andere, das Glück vielleicht ausmacht, mit deinem Mann finden, dann such mit ihm einen Weg, zusammenzubleiben. Wenn nicht, dann hat die Ehe keine Zukunft und du solltest sie beenden.

    

Es hat ja mal einen Grund gegeben, warum du deinen Mann geheiratet hast - und er dich. Waren das die vermeintlichen Glücksbringer a-e (siehe oben)? Oder die Ziele a) - e) zu erreichen? Und jetzt, wo sie erreicht sind, ist die Ehe obsolet geworden? Oder war es doch etwas anderes, was irgendwo zwischen Haus, Autos, Jacht und Ferienwohnung verloren gegangen ist?

    Und wo ist es verloren gegangen? Als du dich mit kleinen Kindern allein gelassen gefühlt hast vielleicht? Das wäre der Klassiker. Als der Mann berufliche Karriere machte (um a)-e) zu erreichen), während du stagniert hast? 



    Was es auch immer ist. Es liegt an dir und - Achtung - deinem Mann, dies g e m e i n s a m herauszufinden. Vielleicht nicht mehr, um eure Ehe zu retten, aber sich für beide würdevoll und für die Kinder schonend daraus zu verabschieden. Ich spüre, wenn du über deine Ehe schreibst, nämlich immer noch Achtung und Respekt bei dir für deinen Mann. Ob auch von deinem Mann für dich, kann ich als Leser hier schlecht beurteilen. Aber das ist auf jeden Falleine Ressource, die ihr nutzen solltet, solange sie noch da ist.



    Ich weiss nicht, ob das für dich hilfreich war. Ob es zu kritisch war, ob es zu undiplomatisch war. Sei versichert, dass mir dein Glück - euer Glück - am Herzen liegt. 



    Herzlichst mit einer Umarmung

    

Castorp

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    1. Lieber Castorp

      Danke für diesen wertvollen Kommentar!

      Nachdem ich vergeblich versucht habe, meine Antwort auf Deinen Kommentar soweit zu kürzen, dass sie noch ins Kommentarfeld passt (rote Warnmeldung...), habe ich entschieden, meine Antwort als Post aufzuschalten.

      Ganz liebe Grüsse,
      Rosalie

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  6. Lieber Castorp,

    ein wunderbarer Beitrag! Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Und ja....auch mir liegt Rosalie's Glück besonders am Herzen, da ich eine sehr ähnliche Situation bereits durchlebt habe...und ihre Gedankengänge mir sehr vertraut sind. Aber wie du schon erwähnt hast, ist m. E. der G E M E I N S A M E Weg der beste Weg, eine für alle Beteiligten tragbare Entscheidung zu treffen.

    Liebe Rosalie,
    ich kann dir nur empfehlen:
    Sprich mit deinem Mann und lass ihn an deinen Gedanken teilhaben. Lass ihn nicht aussen vor!
    Dann musst du deinen Kindern später nicht erklären, warum der "Papa" keine zweite Chance verdient hat.

    Alles Liebe für Dich

    Marylou

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    1. Liebe Marylou

      Ja, ich kann mich dem nur anschliessen! Castorp hat es wirklich sehr gut auf den Punkt gebracht.

      Und ich weiss... die Situation schreit nach einer Ehetherapie. Mein Mann hat extrem Angst davor, dass die Kinder bei einer Trennung einen Knacks erleiden und später auf die schiefe Bahn (Drogensucht) geraten könnten...

      Deswegen will er auch um jeden Preis unsere "Idylle" aufrecht erhalten. Wir benötigen wirklich einen Ehecoach!

      Alles Liebe auch Dir,
      Rosalie

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