Donnerstag, 27. Oktober 2011

Golf ist...

Golf ist... eine Lebensschule und kein  Spiel! Schreibt mir mein SMS-Leo und tröstet mich, als ich ihm meinen Golffrust simse. Er spielt seit vielen Jahren und nimmt regelmässig an Tournieren teil.  Die ersten drei Golfstunden hatte ich das Gefühl, ein gewisses Talent für diesen Sport zu haben. Es gelang mir immer wieder, diesen kleinen weissen Ball überraschend gut in die gewünschte Richtung zu schmettern oder ins Loch zu putten und Ali, unser ägyptischer Golfpro, der mit seiner dunklen Haut, der untersetzten Statur und den fleischigen Lippen ein wenig aussieht wie einer der  überzeichneten Nubier in einem   Asterixband, liess dann jeweils ein zufriedenes "wonderful" verlauten. Auch Sohnemann zeigt sich talentiert, wobei ihm die (noch) nicht besonders ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit in die Quere kommt.  Und dann... am Ende der vierten Stunde geht plötzlich nichts mehr. Nach ein paar erfolgreichen Schlägen auf der Driving Range habe ich eben noch gedacht:  "Wow! Ich bin richtig gut! Das ist ja gar nicht so schwierig, dieses Golfen!". Was für ein tolles Gefühl das ist,  wenn der Ball richtig getroffen wird und mit einem satten "Gligg" in hohem Bogen weit in die Lagune rausfliegt... Und dann... beim nächsten Versuch schlage  ich ein dickes, hässliches Loch in den Golfrasen. Und beim übernächsten Schlag treffe ich den Ball wieder nicht und schlage schwungvoll einen Bogen durch die Luft. Und dann treffe ich wieder und der Ball rollt traurig ein paar Meter in den Sand Richtung Lagune wie eine kleine Bocciakugel. Und ich kriege  Zweifel und werde wütend! Was soll das jetzt? Wieso geht das plötzlich nicht mehr? Was mache ich falsch? Verdammt!  Ali ist schon weg. Ich versuche mich zu erinnern... "Always look at the ball. Concentrate on the ball. Play soft and smooth." Vermutlich habe ich den Blick zu früh vom Ball abgewendet. Oder den Oberkörper beim Schwung nach oben bewegt. Oder mit Kraft anstatt mit Schwung gespielt...  Und ich habe das Gefühl, alles vergessen zu haben...  Und der linke Mittelfinger ist wundgescheuert und blutet. Wenigstens kann ich mir jetzt gute Gewissens den schicken weissen Golfhandschuh aus weichem Leder kaufen, den sich mein Mann schon vor der ersten Golfstunde gekauft hat und den zu tragen mir als blutige Anfängerin (wie passend!)  zu angeberisch vorkam. Nun ist es schlicht eine Notwendigkeit.  Schliesslich musste ich mir im Golfshop schon ein weisses Callawey-Cap kaufen, das mir zugegebenerweise  wirklich  gut steht, mich jedoch wie eine "richtige" Golferin aussehen und entsprechende Erwartungen aufkommen lässt, die ich (noch) nicht erfüllen kann.  However. Ich glaube, ich habe mir das  Golfvirus eingefangen. Ja, es gefällt mir richtig gut! Und die letzte Doppelstunde verbringen wir nicht mehr auf dem Übungsgelände, sondern auf dem Golfplatz, wo wir en famille die ersten fünf Löcher spielen und dazu natürlich viel zu viele Schläge brauchen. Aber es macht riesig Spass und die Freude ist gross, wenn ein Ball so fliegt, wie man es sich gewünscht hat! Einfach "wonderful" ;-). Und als Sahnehäubchen obendrauf sind wir mit drei Golfcarts unterwegs. Es macht unglaublich Spass, mit diesen Elektomobilen fast lautlos über Wege und über den Rasen zu sausen und die Kinder sind begeistert, als wir ihnen kurz das Steuer überlassen. Und als die zwei Stunden um sind, ist  der malerische Golfplatz und die Lagune mit ihren Brücken und die weitläufige Hotelanlage mit den hübschen zwei- und dreistöckigen Gebäuden in ein warmes Abendlicht getaucht und zum Abschluss werden uns vier Zertifikate überreicht mit unseren Namen drauf, die es uns erlauben, auf diesem Platz in El Gouna Golf spielen zu dürfen. Uns ist klar, dass wir noch weit von der "normalen" Platzreife entfernt sind, aber wir freuen uns trotzdem darüber und unsere Tochter sieht das hübsche rosa Golfset mit der Aufschrift "Golf Girl", das wir im Raum mit den vielen Golfbags gesehen haben, vor ihrem geistigen Auge schon ein bisschen in ihrem Zimmer stehen... ;-).   Und ich habe mir vorgenommen, irgendwann in der Schweiz Golfkurse zu besuchen, um die "richtige" Platzreife zu erlangen. Dieser Sport sagt mir zu und ich mag nicht zuletzt vor allem auch die damit verbundene Etikette und den klassisch eleganten sportlichen Modestil.  :-)

3 Kommentare:

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  2. Hey Rosalie,

    Du scheinst den Urlaub zu genießen. Golfen ist mit Demut verbunden. Wenn Du die Platzreife machen möchtest, musst Du auch mit der Theorie auseinander setzen. Schau mal, diese Seite wird Dich interessieen: http://www.golf.de/dgv/regelquiz.cfm

    Wünsche Dir einen entspannten Resturlaub...

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  3. Golf hab ich auch mal versucht. Aber nur auf der Driving Range. Es macht mich WAHNSINNIG. Viel zu viel Detailarbeit für mich. Ich bin grobmotorisch. Aber toll wenn es Dir liegt, genieß es!

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