Samstag, 31. Dezember 2011

2011...

2011 war für mich ein spannendes Jahr!


Die ersten Monate waren geprägt von einem Stimmungstief und gesundheitlichen Problemen. Ich haderte mit mir und meiner Situation.



Am 1. Juni habe ich mein Schicksal in die eigenen Hände genommen und etwas "Verrücktes" getan!




Es gab viele Hochs und auch einige Tiefs - aber ich habe aufgehört zu funktionieren und begonnen, wieder RICHTIG zu leben! Und ich habe Dinge getan, die ich mir noch vor kurzem nie zugetraut hätte!



 

Ich habe mich wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben richtig getraut, meine Sinnlichkeit auszuleben.






Ich bin selbstbewusster geworden und habe an Ausstrahlung gewonnen.

Ich habe meine Lust am Schreiben entdeckt und Rosalie und diesen Blog hier zum Leben erweckt!


Ich habe neue Menschen kennengelernt, die mein Leben bereichern, obwohl ich sie noch nie gesehen habe!


Ich habe Mr. Charming wieder getroffen...


Ich habe drei ganz enge Freundinnen und einen engen Freund, denen ich ALLES erzählen kann und diese Freundschaften haben 2011 noch an Tiefe gewonnen.

Platon ist in mein Leben getreten!


Ich habe SMS-Leo nach 20 Jahren wieder getroffen und wir haben uns wieder voneinander entfernt. Und das ist ok.


Es ist ein neuer "Leo" am Horizont aufgetaucht und wir werden uns im 2012 erstmals treffen.


Anfang Dezember hatte ich eine vielversprechende Begegnung...


Ich habe in diesem Jahr sehr viel über mich gelernt und ich bin ein bisschen "erwachsener" geworden.



Rosalie, Aschenbrödels wissende Eule...



Alles in allem war das ausklingende Jahr ein gutes Jahr. Geprägt von vielen kostbaren Momenten und wertvollen Erfahrungen, die mich persönlich weitergebracht haben!

Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch und viel Liebe und ein glückliches 2012!

Eure Rosalie









Freitag, 30. Dezember 2011

Der zweitletzte Tag im Jahr 2011

In den Bergen hat es heute geschneit und gestürmt. Kein Wetter zum Skifahren. Es hat einen halben Meter Neuschnee im Dorf. Mindestens.

Genau das richtige Wetter, um ein Prinzessinnenschloss zusammenzubauen, das aus schätzungsweise 300 Einzelteilen besteht. Gemäss Aufbauanleitung sollte dies ca. zweieinhalb Stunden dauern... Schön wärs!

Bedeutend weniger Zeit in Anspruch nahm das Zusammenschrauben eines kleinen Möbels namens HEMNES.

Weiter habe ich heute an einer langen Mail herumgeschrieben und mehrmals Änderungen verloren, weil ich wegswitchen musste (Gmx Mobile nervt...!) und das Mail schliesslich abgeschickt...

Am Abend gab es einen kurzen Spaziergang durch das verschneite Dorf und ein feines Abendessen im Restaurant.

Morgen möchte ich unbedingt noch ein paar Mails schreiben!

Bonne nuit!




Dienstag, 27. Dezember 2011

Einfach schön

Bilderbuchwetter, super Schnee, angenehme Temperaturen und einen "Hientschi-Salat" zum Zmittag... :-)

P.S. Wer findet die Gämsen?

Montag, 26. Dezember 2011

Weihnachtstage

Sie waren nett. Die beiden Familienabende bei den Eltern und Schwiegereltern mit Tannenbäumchen und Kerzen und zu vielen kulinarischen Köstlichkeiten, denen ich teilweise entsagt habe. Aber ich bin froh, dass sie vorbei sind. Ich stand irgendwie neben mir. Ich war anwesend und irgendwie doch nicht. Habe nicht viel geredet. Mir ist gerade nicht so nach reden. Mir ist nicht nach Gesellschaft. Ich möchte allein sein. Mir die Decke über den Kopf ziehen und nichts mehr denken und tun müssen.

Gestern Nachmittag habe ich mir vor dem Besuch bei meinen Eltern eine Stunde für mich alleine ausbedungen. Ich habe das Grab meiner Grosseltern besucht, die mir sehr viel bedeutet haben. Dreissig Jahre lang haben wir den 25. Dezember zusammen in ihrem Haus gefeiert. Viele schöne Erinnerungen. Sie waren für mich die besten Grosseltern der Welt.

Die Aussicht auf zwei Wochen Ferien im Kreise der Familie belastet mich. Ich werde wenig Zeit für mich haben. Aber vielleicht komme ich an der frischen Luft in den Bergen beim Skifahren auf andere Gedanken... Ich hoffe es.



Samstag, 24. Dezember 2011

Loslassen (1)

Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende zu und ich muss in meinem Leben gewisse Dinge loslassen. Dinge und Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind und eine Zeit lang Teil meines Lebens waren. Und ich muss mich von gewissen Illusionen verabschieden.


Mitte November ging nach fünfundzwanzig Jahren eine Epoche zu Ende. Der letzte Törn mit unserem Segelschiff. Vierzig Jahre hat es auf dem Buckel und seine besten Zeiten längst hinter sich. Das weisse Oberdeck ist grau und porös geworden. Die Holzteile sind grau, Log und Echolot funktionieren schon länger nicht mehr.

Der Bleikiel und der Rumpf müssen abgeschliffen und neu grundiert werden. Die schwarzen Kunstlederpolster im Innenraum sehen nicht mehr besonders einladend aus und es riecht etwas modrig und feucht. Das Holzfurnier im Schiffsinnern hat auch schon bessere Zeiten gesehen und beginnt vereinzelt abzublättern.

Es ist Zeit für eine Generalüberholung. Und für einen Eignerwechsel.

Wir haben sie eingetauscht, die alte Lady. Im April 2012 beginnt eine neue Epoche mit einem neuen Schiff.


Zurück zum letzten Törn:
Ein Sonntag Mitte November. Der weitläufige Hafen ist verwaist und es sind nur vereinzelt Menschen zu sehen. Wo sich in der warmen Jahreszeit Schiff an Schiff reiht, klaffen grosse Lücken und geben den Blick frei auf das Wasser, das so klar ist, dass man bis auf den sandigen Grund sieht. Die meisten Schiffe hat der riesige Kran beim Hafeneingang längst ans Trockene gehievt und sie stehen nun in Reih und Glied auf ihren Trailern auf dem grossen Parkplatz und verbringen dort den Winter.


Die wenigen im Wasser verliebenen Schiffe dümpelten einsam vor sich hin. Manche scheinen gänzlich verlassen. Persenning und Abdeckplanen sind mit den Exkrementen der Möwen übersät, die Reling längst von den Spinnen in Beschlag genommen. Ein trauriger Anblick, der die melancholische Stimmung noch verstärkt.




Wir gehen zum Schiffssteg und steigen an Deck. Mein Mann, die Kinder, meine Eltern und ich. Wir entfernen die Abdeckplanen und mein Vater wirft den alten Diesel an und manövriert das Schiff aus dem Liegeplatz. Wir fahren durch den Hafen hinaus auf den stillen See. Die Stimmung ist herbstlich, fast schon winterlich. Friedlich. Nur das vereinzelte Schreien der Möven durchbricht die Stille. Melancholie macht sich breit.

Ich setze mich vorn auf die Erhebung beim Vorderdeck, schaue auf den See und lasse all die Jahre Revue passieren.


Ich erinnere mich noch genau an dem Moment, als mein Vater mir an einem Samstag Morgen voller stolz eröffnet hat, dass wir das Segelschiff seines alten Freundes übernehmen können, das wir schon leihweise benutzen durften. Ich war damals 17 und unglaublich stolz! Ein eigenes Segelschiff dieser Grösse war damals eigentlich unerschwinglich für eine Familie wie unsere. Die meisten Schiffseigner, die wir kannten waren Zahnärzte, Anwälte, Unternehmer, höhere Beamte oder einfach gut betuchte Mitbürger. Mein Vater hatte zwar ein eigenes kleines Unternehmen, aber wir waren eine mittelständische Familie mit einem normalen Einkommen. Der frühere Eigner verband mit dem Schiff traurige Erinnerungen an eine zerbrochene Ehe und er hatte die Lust am Segeln verloren. So überliess er uns die Yacht zu einem fairen Preis mitsamt dem damals schon sehr begehrten Liegeplatz in einem schönen Hafen in der Westschweiz. Für uns begann eine neue, glückliche Epoche, die fünfundzwanzig Jahre andauern sollte.

Viele glückliche Stunden, Tage, Wochenenden und sogar Ferien haben wir auf dem Schiff verbracht. Meinen ersten Freund habe ich mit an Bord genommen, den zweiten und dritten ebenfalls. Wir haben an Regatten teilgenommen, Stürmen getrotzt. Haben das Schiff als Badeinsel genutzt und einmal sogar auf sandigen Grund gesetzt… Später bin ich mit meinem Mann alleine rausgefahren und schliesslich zusammen mit unseren Kindern.



Ich habe auf dem Schiff geschlafen, gekocht, gegessen, gelesen, geträumt, gelacht, heimlich geweint und sogar geliebt…

Und nun hiess es also Abschied nehmen. Und ich tue mich schwer mit Abschied nehmen...


Die Fahrt verlief ruhig. Zu wenig Wind, um noch ein letztes Mal die Segel zu setzen. Kurz vor dem Ziel begann der Himmel aufzureissen und die Sonne durchbrach die Wolkendecke.

Eine wunderschöne Stimmung lag über dem See.

Dann erreichten wir den fremden Hafen, vertäuten das Schiff an einem Besuchersteg und begannen, all die Dinge, die sich über die Jahre im Innern des Schiffs angesammelt haben, zusammenzuräumen und in Säcke zu packen. Es war gewissermassen eine Zeitreise. Alles mögliche kam zum Vorschein. Eine alte Kinderrettungsweste - das Mädchen, das sie einst trug, ist heute eine der bekanntesten Schweizer Politikerinnen. Eine Zeitschrift namens "Petra" aus dem Jahr 1987. Mehrere Taucherbrillen, eine Luftmatratze, ein Mastermindspiel, Tauwerk, Kissen, Küchenutensilien, Buntstifte, Werzzeug, Schäkel… und so vieles mehr.

Schliesslich haben wir sie dort zurückgelassen, unsere alte Najade. I

Ich hoffe, sie wird bald in neuem Glanz erstrahlen und neue Eigner finden, die ebensoviel Freude an ihr haben werden wie wir das all die Jahre hatten. Und ich hoffe, dass sie auf unserem See bleiben wird. Vielleicht werden wir sie dann von unserem neuen Schiff aus von weitem auf dem See erspähen, das Fernglas zücken und aufgeregt rufen: "Seht! Dort drüben auf dem See! Ist das nicht UNSERE Najade?!"



So ist das mit Segelschiffen.

Auch wenn das Schiff den Eigner wechselt… - es wird trotzdem irgendwie immer "unser" Schiff bleiben.

Au revoir!

Und danke für eine gute Zeit und viele schöne Erinnerungen!



Loslassen (1) ist weg

Ich bin untröstlich. Mein schönes Segelpost ist irgendwie in den weiten des WWW verschwunden. Wenn ich es reaktivieren kann, schalte ich es wieder auf...

Ich bin ferienreif...

Au revoir et joyeux Noël!

Ich wünsche Euch allen frohe Festtage und
einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Rosalie braucht jetzt eine Pause.

Au revoir et à bientôt!

 





P.S. Ich freue mich über drei neue Leser! :-)

Loslassen (2)

Ich habe immer gewusst, dass ich mir an ihm meine Finger verbrennen werde. Von Anfang an. Trotzdem bin ich unbeirrt diesen Weg gegangen. Bin gestolpert und wieder aufgestanden. Wollte zwischendurch aufgeben und bin trotzdem weitergegangen bis zum bitteren Ende. Weil ich an uns geglaubt habe. An unsere Insel fernab vom Alltag. 

Ich habe ein paar glückliche Momente und Selbstbestätigung erfahren. Aber es war auch eine Achterbahn der Gefühle und ich habe (zu) viele Tränen vergossen.

Aber ich bereue es nicht. Wir haben beide viel gelernt. Über das Leben und über uns selbst. 

Letztlich habe ich mich wohl einer Illusion hingegeben. Sie loszulassen benötigt Zeit. 

Den Glauben an die Insel habe ich nicht verloren. Ich bin sicher, dass es funktionieren kann. Wenn es passt.

Meine Freundin M. vertritt die Meinung, dass es die schmerzhaften Erfahrungen sind, die uns in der Persönlichkeitsentwicklung weiterbringen.


Ich denke, sie hat recht.




Mittwoch, 21. Dezember 2011

Short Messages mit Folgen

Leo ist im Stress. Er hat mich angerufen und wir haben eine Weile zusammen geredet. Er arbeitet wie verrückt und hat deshalb wohl keine Zeit mehr für originelle WhatsApp-Nachrichten... Ist ja auch wirklich zeitaufwändig, ein paar Sätze ins Handy zu tippen…

Wobei man sich immer bewusst sein muss, was diese Short Messages unter Umständen beim Empfänger auslösen können. Wenn sie zum Beispiel spät in der Nacht von einem Hotelzimmer zum andern geschickt und von einsamen Herzen gelesen werden. Oder versteckte Liebesgeständnisse enthalten. Oder Missverständnisse auslösen.

Gestern Abend hat mich so ein kleines SMS aus der Fassung gebracht. Vermutlich einfach so dahingeschrieben, ins Handy getippt im Stress, ohne böse Absicht oder Hintergedanken. Ein kleiner Satz, der bei mir zum falschen Zeitpunkt angekommen ist und sehr viel ausgelöst hat. Es ist ein déjà-vu. Eine Gefühlsachterbahn.

"Ich will Dich. Ich will Dich nicht. Ich will Dich. Ich will Dich nicht. Ich will Dich... Und jetzt, wo DU mich auch wieder willst, will ich DICH doch nicht mehr. Ich kann mir schon vorstellen, dass Du mich brauchst. Aber ich brauch Dich nicht. Ich hab ja meine Frau."

So ähnlich ist die Botschaft bei mir angekommen, obwohl der Text gänzlich anders lautet. Ich weiss, dass er es nicht so gemeint hat. Weh tut es trotzdem. Manchmal braucht es so wenig, um mein labiles seelisches Gleichgewicht aus der Balance zu bringen.


Montag, 19. Dezember 2011

Auszeichnung


Mein Blog hat einen Award gekriegt! Und ich habe mich ehrlich darüber gefreut! :-)) 


wunderland - awards

Er wurde mir verliehen von einem Mann, der sich erst kürzlich als regelmässiger Leser geoutet hat. Er verfolgt meinen Blog aber schon länger und  hat sich die Mühe gemacht, meine Geschichte von hinten nach vorn aufzurollen und nimmt jetzt Anteil an meiner Midlife Crisis.

Ich finde seinen Gravatar so cool und so passend zu seinem eleganten Nickname, dass ich nicht widerstehen kann, das Bild hier zu veröffentlichen. (Diese Mischung aus Winnetou und Rockstar ist einfach oberheiss - und bitte Nouniouce, lass mich in dem Glauben, dass Du TATSÄCHLICH so aussiehst! ;-))
Avatar
Nouniouce
Nouniouce nennt in seinem Blog gewisse Dinge unverblümt beim Namen, die ich hier bloss zwischen den Zeilen andeute. Wenn überhaupt. Und seine Bilder sind eindeutig zweideutig aber stets geschmackvoll. Aber was erzähle ich denn hier. Die meisten von Euch haben vermutlich schon mal (heimlich...) bei ihm reingeschaut und ich muss hier auch keine Reklame für seinen Blog machen. Er hat schon sehr viele Leserinnen und Leser und es werden täglich mehr. 

Die Spielregeln besagen, dass man den Award an fünf weitere Blogs weiterreichen soll. Finde ich irgendwie unlogisch.  Einen "Liebster Blog" kann es meiner bescheidenen Meinung nach nämlich nur einen geben. Sonst müsste der Award umgetauft werden in "Liebste Blogs". Und Lieblingsblogs habe ich viel mehr als fünf...

Ich breche also wieder mal die Regeln und werde vermutlich nie wieder einen Award kriegen und werde diesen Award nur an EINEN Blog weiterreichen. An meine liebste Bloggerin oder an meinen liebsten Blogger. Sie oder er weiss Bescheid und soll selbst entscheiden, was sie oder er damit anfängt. Der Name des Blogs bleibt mein Geheimnis...

Lieben Dank, Nounious! I'm flattered!


Sonntag, 18. Dezember 2011

Wieder einmal Sonntagsblues

Melancholische Grundstimmung schon den ganzen Tag. Ein Blick aus dem grossen Fenster gen Westen verstärkt das Gefühl beträchtlich.  Dort wo das Auge heute eine idyllische Landschaft erblickt, werden in einem Jahr wohl zwei Häuser stehen. In zwanzig Meter Entfernung zwar aber dennoch… es ist einfach schade. Sehr, sehr schade. Es ist zum Heulen. Dreizehn Jahre haben wir sie genossen, diese wunderschöne Aussicht. Natürlich war uns bewusst, dass das Land irgendwann einmal verkauft werden könnte, aber wir haben den Gedanken daran immer verdrängt. Und unser Interesse signalisiert, falls der Besitzer es dereinst verkaufen will. Gestern nun erwähnt die Nachbarin (burschikose Natur mit nicht besonders ausgeprägter Sensibilität in gewissen Angelegenheiten) beim Apéro beiläufig, ob wir schon wüssten, dass wir neue Nachbarn bekommen würden…

Ich hab mich fast am Sauvignon Blanc verschluckt und mein Herz ist augenblicklich einen Stock tiefer gesunken. Betretener Blickwechsel mit meinem Mann. „Was? Wie bitte? Ist aber nicht wahr, oder!? Und wieso hat uns das niemand gesagt, dass das Land verkauft werden soll?“…

Weil der Landbesitzer wegen Demenz ins Altersheim gekommen ist und sein Sohn ein verkorkster komischer Eigenbrötler ist, der uns noch nie besonders gut leiden konnte. Wie es scheint, ist das Land schon verschrieben. Für eine Intervention ist es also zu spät. Realistisch gesehen hätten wir es uns nicht leisten können, es zu kaufen, um den Garten zu erweitern. Auf jeden Fall wäre dies hochgradig unvernünftig gewesen. Anderseits…andere Leute kaufen teure Sportwagen. Das finde ich persönlich viel unvernünftiger. Der Verkorkste hätte uns  wenigstens eine faire Chance einräumen können, uns ernsthaft mit dem Gedanken auseinanderzusetzen. Wir sind enttäuscht. Und traurig. Wieder eine Epoche, die zu Ende geht…

Es ist mir schon bewusst, dass es ein „Luxusproblem“ ist, das ich gerade beklage. Andere Leute haben Geldsorgen, müssen sich mit Krebsdiagnosen und Arbeitslosigkeit auseinandersetzen. Das  relativiert unser „Problem“ ein wenig. Aber ich bin trotzdem traurig.

Und auch sonst gibt es heute nichts Erfreuliches zu berichten. Schon der 4. Advent und so wenig Weihnachtsstimmung wie seit Jahren nicht mehr. Ich habe gestern realisiert, dass ich die künstliche Tannengirlande mit den elektrischen Lämpchen, die ich jedes Jahr beim Eingang zum Wohnzimmer aufhänge, dieses Jahr schlicht vergessen habe. Und die übrigen Familienmitglieder haben es anscheinend auch nicht bemerkt. Ob ich sie noch aus dem Keller holen soll? Schliesslich werden wir dieses Jahr auch keinen Indoor-Weihnachtsbaum haben. Im Garten draussen steht die geschmückte kleine Tanne im Topf, die jeweils nach Einbruch der Dunkelheit zu leuchten beginnt. Aber die hat auch schon bessere Zeiten gesehen…

Blöder Tag. Und das Wetter passt auch dazu. Es kann sich nicht entscheiden, ob es schneien oder regnen soll. Und zu allem "Elend" habe ich heute noch keine einzige SMS gekriegt! Nicht eine! Und auch kein neues Mail. Nun gut, das könnte auch daran liegen, dass ich noch drei Mails beantworten muss. Aber trotzdem.

Dass ich heute schon eine ganze Wochenration Schokolade gegessen habe und mindestens zwei Raffaellokugeln, hilft auch nicht gerade, meine Stimmung zu heben. Ich traue mich schon gar nicht mehr auf die Waage.

Der Kuschelponcho allein reicht im Moment überhaupt nicht aus als Seelentröster.

Nächstes Jahr wird alles besser. Hoffentlich…



Taugt auch nur bedingt als Seelentröster...

Samstag, 17. Dezember 2011

Meine Woche

Nein, meine Lieben. Ich bin nicht in den Bergen eingeschneit worden. Und Sturmtief  Joachim hat mich auch nicht weggefegt. Ich habe diese Woche vier Tage ausser Haus gearbeitet und finde einfach kaum mehr Zeit, mich meinem Blog zu widmen.  Das kommt davon, wenn man munter sieben Wochen Ferien bezieht, obwohl man bloss fünf Wochen Ferien hat. Tja. Das führt dann Ende Jahr zu einem gewissen Druck, der sich jeweils am Morgen beim Einstempeln im Büro bemerkbar macht, wenn der Gleitzeitsaldo minus 20 Stunden anzeigt. Also rund zweieinhalb Arbeitstage im Minus. Dumm gelaufen. Und in der Altjahreswoche möchte ich gerne Skifahren gehen.  Die ganze Woche in den Bergen verbringen. Wären also nochmal zwei Tage, die ich vorholen müsste. Keine Ahnung, wie ich das noch hinkriegen soll.

Aber das hat mich nicht davon abgehalten, diese Woche den Dienstag Nachmittag frei zu nehmen und mit einem lieben Freund Essen zu gehen und drei Stunden sitzen zu bleiben und ohne Punkt und Komma zu reden. Naja, fast ohne Punkt und Komma. Er ist ein sehr guter Zuhörer. Auf meine spätere Nachfrage hin hat er mir bestätigt, dass er (noch) keine Überdosis Rosalie gekriegt hat! Dass er von Rosalie nicht genug kriegen kann. Hach..."lächel". Und am Abend haben wir das Gespräch noch im Chat fortgesetzt.  Also bitte, wann soll ich denn noch Zeit für meinen Blog finden? ;-)




Und Dienstag Abend hatte ich noch einen Termin in einem Institut, das sich "Wax In" nennt. Davon muss ich ein andermal berichten. Das Thema schreit nach einem eigenen Post...

Tja, und nun sollte ich noch Tausend Dinge erledigen. In einer guten Stunde kommen liebe Nachbarn zum Apéro. Und das Wohnzimmer sieht aus wie der Bastelraum einer Grundschule (kreative Kinder...), mal abgesehen von den Zeitungsstapeln und all dem übrigen Kram, der überall noch irgendwie herumsteht und von dem ich nicht genau weiss, wohin damit.

Und dann das Aquarium.... schon wieder drei Wochen her seit der letzten Reinigungsaktion und die Goldies schwimmen im Trüben. Morgen Jungs... Versprochen!

Und bald kommt mein Mann mit Junior vom Einkauf zurück und ich sollte schauen, dass ich hier zu einem Ende komme, bevor er entdeckt, dass ich schon wieder am Computer bin, anstatt mich um den Haushalt zu kümmern...

Desperate housewife. Und ständig im Internet! Geht gar nicht!





Sonntag, 11. Dezember 2011

Sonntagmorgen in den Bergen (2)

Room with a view.

Kennt jemand zufällig diesen Berg?

Kleiner Tipp: Er ist ziemlich bekannt. Menschen reisen um den halben Erdball, um ihn von nah zu sehen oder ihn zu bezwingen. Unzählige sind schon an ihm gescheitert. Ein schicksalhafter Berg.

Und etwas fehlt auf dem Foto! Etwas, was es normalerweise um diese Jahreszeit zur Genüge haben sollte: Weisse Skipisten...

Das erklärt auch, weshalb wir hier einen lazy Sunday verbringen...

Sonntagmorgen in den Bergen

Heute lazy Sunday in den Bergen. Kinder switchen durch die TV-Kanäle und dann... oh! Diese Musik kennen wir doch! Nanananana 

Rosalie: "Oh! Unser aller Lieblingsfilm!"

Gatte (Homeoffice im Nebenzimmer):
"Star Wars?"

Rosalie: "Knapp daneben!" ;-)



Freitag, 9. Dezember 2011

Stylefragen und Kaffeepreise


Heute morgen um 07.10 Uhr erwacht und realisiert, dass die Kinder, die links und rechts von mir im Bett noch im Tiefschlaf liegen, in 55 Minuten im Schulzimmer an ihren Pulten sitzen und das Freitagsdiktat schreiben werden. Trotzdem noch fünf Minuten länger im warmen Bett liegen geblieben...

(Symbolbild. Meine Kinder machen's besser ;-))

Die Kinder geweckt, Kleider rausgesucht, mit der Tochter diskutiert, was sie anziehen WILL (entspricht nicht dem was sie anziehen SOLL...). Mich (pragmatisch wie ich bin) von der achtjährigen Tochter überzeugen lassen, dass das knallgelbe Hello Kitty T-Shirt aus elastischem Stoff ÜBER anstatt UNTER dem Rollkragenpulli getragen wird, weil das in ihrem Augen viel stylischer ist. Sie wusste schon mit drei Jahren besser als ihre Mutter, welches Jäckchen ihren Look ideal ergänzt... und hat schon damals ihren Kopf durchgesetzt. Und sie kann richtig stur sein. Ich lass mich nicht mehr auf Diskussionen ein. Hauptsache, sie ist warm genug angezogen, so dass sie sich draussen keine Erklältung holt. Sie spricht ständig von Mode, zeichnet Kleider und hat ihre ganz eigenen Vorstellungen von "Style". Keine Ahnung, woher sie das hat. Ich bin jedenfalls eher der klassische Typ und kein Fashion Victim.

Originalentwurf Tochter
(so DARF sie aber nicht rumlaufen. Noch nicht...)



Natürlich blieb nach dem Frühstücksmüesli und dem Zusammensuchen der Schul- und Turnsachen keine Zeit mehr, um den Schulweg zu Fuss zurückzulegen und so kam heute wieder einmal das Mamataxi zum Einsatz. Und Mama hatte natürlich keine Zeit mehr, die Haarbürste zu benutzen geschweige denn Makeup aufzulegen. Sieht mich ja keiner von nah, wenn ich im Auto sitze und ausserdem hat der Volvo leicht getönte Scheiben. Es wird mir ja wohl nicht ausgerechnet an diesem Morgen passieren, dass ich Leo auf der Strasse kreuze...  Seit einer guten Woche herrscht Funkstille. Ich scheine ihn ja nachhaltig beeindruckt zu haben... Wie auch immer. Ich mach mir keine Gedanken darüber. Er wird schon seine Gründe haben. Und positive Feedbacks habe ich in letzter Zeit viele gekriegt. Es kann also nicht an mir liegen... ;-))

Und dann habe ich etwas getan, was ich sehr selten tue... Ich bin ungeschminkt im Tilda Swinton Look in den Dorfladen gegangen, um frische Brötchen zu holen.

Tilda verzichtet konsequent auf Augenmakeup

Es ist zwar ein winziger Laden und ich hab mich vorher umgeschaut, ob jemand dort ist, den ich kenne... will ja niemanden "erschrecken" am Morgen früh.  (Blaue Augen kommen mit dunkel getuschten Wimpern einfach viel besser zur Geltung als so in natura mit blonden Wimperchen und mit einer getönten Tagescrème sieht der Teint einfach gleich viel frischer aus...). Nach drei Minuten sass ich wieder im Auto. Und was der Wirt des beliebtesten Ausflugsrestaurants der Gegend von mir denkt, ist mir sowas von egal...

Und beim Rausgehen ist mir diese Zeitungsaffiche ins Auge gestochen und ich musste spontan an Lady Crooks denken. Das Leben in der Provinz hat einfach wirklich viele Vorteile. Zum Beispiel vernünftige Kaffeepreise...


Donnerstag, 1. Dezember 2011

Erkenntnisse (2)

Gestern war ein erkenntnisreicher Tag. Eine meiner besten Freundinnen hat mir eine Frau empfohlen, die sich mit Familienstellen nach Hellinger auskennt und mit eher unkonventionellen Methoden arbeitet und meinte, dass sie mir vielleicht helfen könnte, meine aktuelle Situation ein wenig zu entwirren. Gestern bin ich nun zu dieser Frau gegangen und habe mein ganzes Gefühlschaos dort abgeladen. Habe ihr meine verworrene Situation erklärt und von meinen ablehnenden Gefühlen meinem Gatten gegenüber berichtet, die sich im selben Masse verstärken, wie er sich an mich klammert und sich "Mühe" gibt und nett zu mir ist. Und er gibt sich extrem "Mühe" im Moment...


Und ich habe ihr von Mr. Charming erzählt und den übrigen männlichen Protagonisten in meinem Paralleluniversum, auf die ich mehr oder weniger aktiv meine Sehnsüchte projiziere und sie auf die eine oder andere Weise auch auslebe. Sie hat gleich erfasst, was sich in meinem Leben seit der Begegnung mit Mr. Charming verändert hat. Um es auf den Punkt zu bringen:


Ich bin wieder LEBENDIG! Ich fühle mich lebendig! Ich lebe wieder! Ich kann wieder lachen! Richtig herzhaft lachen ohne gleich weinen zu müssen. Ich kann mich wieder über Dinge freuen! Richtig freuen! Und ich kann endlich meine Sinnlichkeit ausleben.  


Natürlich zehrt das Doppelleben an den Kräften. Aber es aufzugeben hiesse, wieder in den grauen Funktionsmodus einzutauchen und früher oder später (wieder) in einen depressiven Zustand zu verfallen.


Sie sieht auch mein grosses Dilemma: Die Kinder haben ein ideales Umfeld und fühlen sich sicher und aufgehoben. Den Kindern zuliebe müsste ich in meiner Ehe ausharren. Da gibt es nichts schön zu reden. Auf die Erfüllung meiner Sehnsüchte verzichten. Mich selbst zurücknehmen zum Wohle der Familie.  Aber welchen Preis muss ich dafür bezahlen? Ich würde wohl meine Lebendigkeit wieder verlieren. Ich würde womöglich krank werden. Richtig ernsthaft krank.


Dass mein Gatte ein netter, anständiger Mann ist und seine Familie über alles liebt, macht die Sache nicht einfacher. Aber gestern ist mir bewusst geworden, dass er wohl eine Art von Liebe und Zuwendung sucht, die ich ihm nicht geben kann. Ich vermute, er sieht in mir (unbewusst) die Mutter und sehnt sich nach Streicheleinheiten und Geborgenheit. Ich hingegen möchte begehrt werden, Lust und Leidenschaft spüren. Kann es sein, dass unsere Ehe letztlich nur daran scheitert?

 

Sie hat mir für das nächste Treffen Hausaufgaben auferlegt: Ich soll zehn Gründe nennen, weshalb ich bis jetzt bei meinem Mann geblieben bin. Mir fallen zwanzig Gründe ein. Mindestens.

Wäre alles in Ordnung, würde ein einziger Grund eigentlich ausreichen. Ich würde schreiben: Aus Liebe...



Montag, 28. November 2011

Premier Avent à l'église

Gestern morgen war ich mit den Kindern in der Kirche! Das erste Mal in diesem Jahr. Sie besuchen in der Schule den protestantischen Religionsunterricht. Bei uns heisst das "Catéchisme". Die Frau, die das nebenberuflich unterrichtet ist sympathisch und bei den Kindern sehr beliebt. Eine moderne Bäuerin, die raucht und nicht besonders religiös daherkommt.  Ich kaufe bei ihr öfter mal das Gemüse ab Hof.

Die Kinder erfahren etwas über die biblische Geschichte. Ich finde, das gehört irgendwie zur Allgemeinbildung. Sonst denken sie am Ende, Maria und Josef seien die Hauptdarsteller in einem Stück von Shakespeare. Und ich kann ihnen das nicht vermitteln, da ich es in der Schule boykottiert habe und mich stets geweigert habe, mich damit auseinanderzusetzen. Mein Mann ist immer entsetzt, wenn ich nicht genau weiss, welche Bewandtnis es mit den religiösen Feiertagen auf sich hat... Aber ich sag nur: strenger (fanatischer) Religionslehrer, Eltern, die mich als Kind (contre coeur den Schwiegereltern zuliebe) in die katholische Frühunterweisung gesteckt haben, ein Faible für Darwin, Boykott. Aber das ist eine andere Geschichte...

Die Kinder kriegen die Geschichte rund um Jesus ziemlich moderat vermittelt und hin und wieder bringen sie einen Zettel mit nach Hause, auf dem vermerkt ist, dass ein spezieller, auf die Kinder abgestimmter Gottesdienst stattfindet. Die Teilnahme ist freiwillig und meistens gehen wir nicht hin, weil wir es schlicht und einfach vergessen. Da wir dieses Jahr noch nie in der Kirche waren (letztes Jahr eigentlich auch nicht, mit Ausnahme der Kinderweihnachtsfeier...), fand ich es angemessen, mal wieder einen Sonntagmorgen zu "opfern" und hinzufahren. Mein Mann hatte wie immer keine Lust und meinte, er müsse noch etwas vorbereiten für das Seminar von nächster Woche.

Ich bin wahrlich keine fleissige Kirchgängerin und auch nicht gläubig. Aber Kirchen faszinieren mich aufgrund ihrer Geschichte und ihrer Aura. Ich überlege mir immer, was eine bestimmte Kirche wohl schon alles "gesehen" und "erlebt" hat. Unsere Kirche ist schlicht und schön. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert und hat einen gotischen Chor, der im 15. Jahrhundert angebaut wurde. Sie hat eine gute Aura. Sie ist hell und man fühlt sich gleich wohl darin. Das hat natürlich auch mit den (irdischen) Gastgebern zu tun.

Seit ein paar Jahren steht diese Kirche unter dem Einfluss eines Theologen-Ehepaars, das sich die Aufgabe im Jobsharing teilt. Sie haben zwei gleichaltrige Kinder, die mit unseren beiden Kindern in die selbe Klasse gehen. Und ich muss sagen: Dieses Ehepaar ist zauberhaft! Beide sehr herzliche, liebenswerte und engagierte Menschen. Ich habe ihn schon erlebt an einer sehr traurigen Beerdigung einer guten Bekannten. Er hat das souverän gemacht und die richtigen Worte gefunden für die Verstorbene, die zu früh gegen musste.

Schon nur wegen diesem Ehepaar lohnt es sich, hinzufahren. Und auf französisch tönt jede Predigt einfach viel charmanter und es werden auch nicht bloss Bibelverse zitiert. Gestern ging es um Smartphones und wie sie unser Leben "vereinfachen" und er hat dies mit dem Zeitmanagement von damals verglichen und sich gefragt, ob Jesus wohl auch gerne so ein Ding gehabt hätte...

Wir wurden am Eingang mit Handschlag sehr herzlich begrüsst und ich habe viele bekannte Gesichter gesehen, darunter meine Nachbarin und ihre achtjährige Tochter. Und so sass ich dann auf einer langen Holzbank in der Kirche, neben mir die schwedische Mutter der Schulfreundin meiner Tochter, die noch fünf Minuten nach mir in die Kirche gehetzt kam (just in time...) und meinte, das sei ein tierisch anstrengendes Wochenende (wir hatten schon am Samstag beim Bastelnachmittag der Elternvereinigung mitgeholfen) und auf der anderen Seite meine Kinder und die kleine Schwedin.

Die Pfarrerin begrüsste die Kinder und erkärte, dass der erste Advent den Beginn der Weihnachtszeit markiere und dass das Lichtlein bis Weihnachten nun immer grösser werde (Kerzen 1 - 4...) und dies für die Kinder ja eine besondere Zeit sei. Sie zeigte auf den schönen Adventskranz mit den grossen roten Kerzen und liess verlauten, dass das älteste Kind in der Kirche die erste Kerze anzünden dürfe.

"Est-ce qu'il y a un enfant de la sixième classe? Non? De la cinquième classe? Non?
De la quatrième...?"

Zwei Hände flogen in die Luft. Mein Sohn und seine Klassenkameradin meldeten sich. Die Pfarrerin kannte beide mit Vornamen und fragte, wer von beiden denn älter sei. Und mein süsser Junge sagte:" Sie! Sie ist ein paar Tage älter als ich...".  Obwohl er so gerne nach vorn gegangen wäre, um die erste Kerze anzuzünden, überliess er diese Aufgabe - ehrlich wie er ist - seiner Schulkameradin.  Seine Statement sorgte für ein gerührtes Raunen in den Kirchenbänken. Er ist wirklich ein ganz liebenswerter Junge! Ich war so stolz auf ihn!

Die Kinder gingen dann in einen Nebenraum, um einen Adventskranz aus Salzteig zu basteln und es ertönte Orgelmusik und eine Frau spielte auf der Empore Altflöte.

Diese Musik liess mich etwas melancholisch werden und ich dachte darüber nach, was ich in dieser Kirche schon alles erlebt hatte. Ich war in den letzten 12 Jahren vielleicht fünfzehn Mal dort gewesen. Einmal ziemlich nervös in einem weissen Kleid..., zweimal mit unseren Kindern zur Taufe, mindestens zweimal an einer sehr bewegenden Abdankungsfeier, ein paar Mal an einer Kinderweihnachtsfeier und einige wenige Male an einem ordentlichen Gottesdienst. Erinnerungen kamen hoch. Einmal hatte ich am Taufgottesdienst der Nachbarstochter teilgenommen. Mein Mann hütete derweil zu Hause unseren zweijährigen Sohn. Die Tochter war erst wenige Monate alt und so nahm ich sie mit in die Kirche. Ich trug sie auf dem Arm und sie schlief eine Weile. Irgendwann wurde sie wach und wohl auch ein bisschen hungrig... Der Nuggi (Schnuller) half nicht weiter. Ich trug damals eine Strickjacke und einen Schal... Und ich schaffte es, ihr ganz diskret die Brust zu geben, ohne dass jemand etwas merkte... Ich dachte damals, das sei ja schliesslich die natürlichste Sache der Welt und die älteren Leute waren gerührt, wie ich da so mit meinem Baby im Arm sass und vielleicht hat der ein oder andere es sogar geahnt, aber niemand hat sich daran gestört. Das war ein sehr spezielles Erlebnis.

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf und dann hiess es wieder aufstehen und singen. Die Schwedin neben mir war auch keine begnadete Sängerin... Es ging eine Weile, bis wir die richtige Tonlage trafen... bei ihr ein bisschen länger bzw. sie fand sie nicht wirklich. ;-)
Ich bin immer wieder überrascht, wie viele gute Sängerinnen es in gewöhnlichen Gottesdienstes so gbit, die den richtigen Ton treffen und sogar die Melodie kennen. Und dass die alle so hoch singen können... Erstaunlicherweise kann man auch als nicht so versierte Kirchengängerin ("hüstel") relativ rasch mitsingen, obwohl man  die Melodie selber nicht kennt. Ein Mysterium.


Gegen Ende des Gottesdiensts forderte uns der sympathische Pfarrer auf, nach vorn in den Kirchenchor zu kommen und uns im Halbkreis aufzustellen. Da die Kirche nur zu einem Drittel besetzt war, fanden alle einigermassen Platz. Ich schaute mich um und entdeckte noch mehr bekannte Gesichter. Er teilte dann einen Laib Brot mit seinen Händen in zwei Teile, zupfte jeweils ein Stück Brot daraus und ging von einem zum andern und legte jedem ein Stück Brot in die Hände. Ich dachte daran, wie erkältet er war und überlegte mir, das Brotstückchen diskret in der Jackentasche verschwinden zu lassen... Die Schwedin und ich schauten uns vielsagend an... und schliesslich fügten wir uns dem Gruppendruck und assen es doch. Ich beschloss, zu Hause einen Cognac zu trinken, um allfälligen Viren den Garaus zu machen! Den Kelch mit dem Traubensaft reichte ich unangetastet weiter und wunderte mich, wieviele Münder daraus tranken. Wirklich nicht mein Ding... auch nicht ausserhalb der Grippesaison. Aber es kam dann noch ein Gehife mit einem orginellen Holzteller mit sehr vielen kleinen Gläschen, so dass ich trotzdem noch zu einem Schluck Traubensaft kam.

Zum Schluss sangen wir nochmals zwei Lieder, darunter das "Vater unser" auf französisch. Ich wusste gar nicht, dass es dazu eine Melodie gibt...  Und schliesslich war der Gottesdienst zu Ende, ich warf ein paar Münzen ins Kässeli für die Kollekte und beim Eingang der Kirche warteten die Kinder stolz mit ihren Adventstellern.

Ich muss gestehen - es war nett! Ich habe mir vorgenommen, hin und wieder an einem Gottesdienst teilzunehmen. Schon nur dem Pfarrerehepaar zuliebe. Ist doch auch frustrierend auf Dauer. Da gibt man sich Mühe, eine tolle Predigt vorzubereiten und muss diese dann vor halbleeren Bänken den immergleichen Leuten  erzählen. Die fleissigen Kirchgänger haben mich jedenfalls alle mit einem erfreuten Lächeln und wohlwollendem Nicken begrüsst.

Und dann fuhren wir nach Hause, assen Frühstück und ich trank einen Cognac.

Confused...

Falls jemand das Gefühl hat, hier irgendwie den Anschluss verpasst und den Überblick verloren zu haben und sich fragt, nach wem ich mich gerade sehne...

Don't worry! Ihr seid in guter Gesellschaft.
Da blicken nicht einmal mehr meine engsten Freundinnen durch.

Ich werde nächsten Mittwoch zu einer Frau gehen, die hoffentlich ein wenig Licht in meine Gefühlsverwirrung bringen kann.

Ist es Liebe, Begehren, Verliebtheit, Zuneigung, Seelenverwandtschaft?

Ich lass es Euch wissen, sobald ich mehr weiss...

Ich bin gerade über dieses Buch gestolpert.
Vielleicht hilft es weiter...

Sonntag, 27. November 2011

Longing for him


Manchmal überfällt es mich ganz unvermittelt.
Einfach so, aus dem Nichts.
Dieses starke Gefühl der Sehnsucht.
Dann möchte ich ihn spüren, ihn umarmen, küssen.
Einfach fühlen. Nur wir beide und dieses starke Gefühl...




Freitag, 25. November 2011

Versatile Rosalie

Diesen hübschen Blog-Award hat mir das Frl. Kapriziös zugedacht! Herzlichen Dank!!



Ich freue mich, dass ich jetzt mal so "out of the blue" sieben Facts preisgeben darf, die meine Blogleser von mir noch nicht wissen: 

  1. Ich bin mal drei Monate lang mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Spuren der Maya durch Zentralamerika getrampt! Und habe es geschafft, mein ganzes Gepäck (inkl. Beautycase, Schlafsack und .. Paar Schuhe! ;-))  in einem einzigen Rucksack (natürlich prallvoll und sauschwer) unterzubringen.  Und selbst zu tragen...
    .

  2. Ich hatte einmal einen zweiminütigen  zweieinhalbsekündigen Auftritt als Krankenpflegerin in einer Schweizer Folge der Krimiserie "Tatort".
    .
  3. Mein zweiter Gynäkologe hat seine Schwägerin umgebracht und zerstückelt und sich dann später im Gefängnis erhängt. Seine erste Frau ist unter mysteriösen Umständen bei einem Brand des Ferienhauses ums Leben gekommen und ein ehemaliger Arztkollege und Konkurrent ist bis heute spurlos verschwunden. (Ich fand ihn eigentlich ganz nett! Bevor das alles an die Öffentlichkeit kam...)
    .
  4. Die  Geburt meiner Tochter hat eine dreiviertel Stunde gedauert. Der Gynäkologe (Nr. 4 und sehr, sehr vertrauenwürdig...) kam zu spät. Er hat dann mit meinem Mann im Kreissaal ein Bier getrunken, weil es so unglaublich heiss war. (Hitzesommer 2003).
    .
  5. Ich bin einmal mit nackten Füssen über glühende Kohle gelaufen. Es hat funktioniert...
    .
  6. Mit siebzehn habe ich an einem Stenografiewettbewerb einen Preis gewonnen. Ich konnte damals in vier Sprachen stenografieren.
    .
  7. Als Kind habe ich ein Experiment gemacht, das beinahe fatal ausgegangen wäre. Ich wollte wissen, ob es tatsächlich stimmt, dass der Mensch unter Wasser nicht atmen kann... (Nach dem Motto: Schweizer Jugend forscht: vielleicht hat es einfach bloss noch keiner versucht...). Ich weiss jetzt wie sich Wasser in der Lunge anfühlt. "hust, hust..."

Nun stellt sich die Frage, an wen ich den Award weitergeben könnte... Meine Lieblingsblogger haben ihn alle schon gekriegt - fast alle. Ich ändere deshalb mal kurz die Regeln ab und verschenke ihn an zwei Newcomer:  

An den beeindruckend versatilen Herrn Castorp und an die umtriebige Frau Karfunkel, die es in kürzester Zeit geschafft hat, sich in unsere Herzen zu bloggen!

Herzlichen Glückwunsch!


Mittwoch, 23. November 2011

Tränen gelacht...



Bürogespräch mit meinem französischsprachigen Arbeitskollegen M.:

Rosalie:
"Ich gehe heute mit einer Freundin essen. Ein kleines Restaurant im Quartier XY. Du wohnst doch dort gleich um die Ecke. Kennst Du es?"


Bürocopain M.:
"Ja! Das kenn isch! Das ist übsch! Und ich gehe eut Abend Poesie ören."


Rosalie: "Oh! Du interessierst Dich für Poesie?"

Bürocopain M.:
"Ein argentinischer Dichter stellt sein neues Büschlein vor. Eine Freundin at misch gefragt, ob isch sie begleite."

Rosalie: "Ach... Dann sind die Gedichte auf spanisch? Du sprichst spanisch?"

Bürocopain M:
"Nein, isch versteh kein Spanisch! Aber meine Freundin at gesagt, dass es dort ein tolles argentinisches Buffet gibt!"

Wir haben Tränen gelacht!  :-)))))))

Und ich stelle mir vor, wie M. die spanischen Gedichte über sich ergehen lässt, von Zeit zu Zeit verstohlen auf die Uhr blickt, die andern Gäste mustert, den morgigen Tagesablauf im Kopf durchgeht, sich überlegt, ob er seiner Ex-Frau etwas zu Weihnachten schenken soll und mit wem er Sylvester verbringen wird, dass er unbedingt sein Auto in die Werkstatt bringen muss, um die Winterpneus montieren zu lassen, etc. ...  und darauf wartet,  dass der Dichter endlich zum Schluss kommt,  damit er über das Buffet herfallen kann... 










Dienstag, 22. November 2011

Drehbuchreifes Beziehungsleben?

Mein Beziehungsleben ist aktuell in der Tat ein wenig "unübersichtlich". Das finden jedenfalls meine zwei besten Freundinnen... Aber so lange ich selbst den Überblick nicht verliere, ist ja wohl alles noch im grünen Bereich... 

SMS-Leo hatte sein WhatsApp auf dem iPhone ein paar Tage ignoriert und ich hatte mir schon Sorgen gemacht... (Stichwort: Hirnerschütterung). Und natürlich machte ich mir als unverbesserliche Zweiflerin auch Gedanken, ob seine SMS-Absenz womöglich mit unserem Treffen in Zusammenhang steht. Zwei mögliche Szenarien hab ich mir ausgedacht:

1. "Wow, sie gefällt mir immer noch so gut wie vor dreiundzwanzig  Jahren... Ich ziehe mich besser zurück, bevor ich mir die Finger verbrenne. Schliesslich ist sie ja verheiratet..."

2. "Ist das wirklich die Rosalie von damals? Hmm... Und wie war das noch mal mit der Bikinifigur? Naja, ich schreibe dann irgendwann einmal wieder zurück..."

Gestern gab's Entwarnung! Leo hat sich in alter Frische zurückgemeldet. Er war bloss ein paar Tage im Ausland gewesen.

Gestern hatte ich ausserdem noch einen interessanten Chat mit meinem ehemaligen Sexfriend  platonischen Freund, der leider mit der unerwartet frühen Heimkehr des Gatten ein etwas abruptes Ende nahm (notfallmässiger Klick auf das Kreuzchen rechts oben). Aber wir haben das Gespräch dann per SMS weitergeführt.

Ja, und dann hat sich zur Feier des Tages wieder einmal Mr. Charming höchstpersönlich gemeldet und sonnige SMS-Grüsse von unterwegs geschickt! Anscheinend hat er mich (noch) nicht vergessen... Dabei hatte ich doch erst vor ein paar Tagen (innerlich) mit ihm abgeschlossen. Hatte mir vorgenommen, ihn definiv zu vergessen. Also das heisst, mein Verstand hat ihn abgeschrieben. Das Herz hinkt ja meistens noch ein wenig hinter der Vernunft nach... On verra.

Ja, und das war gestern noch nicht alles...

Ich überlege gerade, welche interessante Wendung mein Beziehungschaos ähm Beziehungsleben denn heute noch nehmen könnte. Ein neuer Kontakt? Eine Liebeserklärung?

Ich hätte da so eine Idee... Aber die behalte ich lieber für mich. Und noch mehr Protagonisten kann ich Euch wirklich nicht zumuten... Nicht dass meine Leser noch den Überblick verlieren ;-)


Tageshoroskop in der Schweizer Boulevardzeitung


Montag, 21. November 2011

Gedanken am See



Ich liebe diese mystischen  Stimmungen am See.
Kurz innehalten. Sich auf eine Bank setzen und aufs Wasser hinausschauen. Das leise Plätschern der Wellen, die Stille, die nur durch das vereinzelte Kreischen der Möwen unterbrochen wird... das ist Balsam für meine gestresste Seele.

Und ich denke nach. Über mich und über meine Mitmenschen. Wieviel Zeit bleibt mir noch? Was ist mir wichtig im Leben? Was würde ich tun, wenn ich nur noch wenige Wochen und Monate zu leben hätte?

Ein guter Bekannter hat kürzlich eine vernichtende Krebsdiagnose erhalten. Aus heiterem Himmel. Schwarzer Hautkrebs, Stadium 4. Zwei Jahre älter als ich.  Er will kämpfen. Was bleibt ihm auch anderes übrig.

In solchen Momenten kommt mir jeweils dieser besoffene Italiener in den Sinn, dem ich vor gut zwanzig Jahren auf einem Fest ohne gross darüber nachzudenken meine Handfläche hingestreckt habe. Ein sogenannter "Handleser" sei er, meinte eine Freundin aus der Zeit, die ihn flüchtig kannte. Alle haben wir ihm die Hände hingestreckt. Kinder und Ehen hat er vorausgesagt. Bloss bei mir hat er gezögert und wollte dann nichts (mehr) sagen...

Und ich habe es vorgezogen, nicht nachzufragen. Und frage mich bis heute, was er wohl "gesehen" hat... Ein schlimmes Schicksal? Werde ich als Mordopfer auf dem Titelblatt der Boulevardpresse enden? Oder einem Verkehrsunfall zum Opfer fallen? Oder war der Kerl einfach bloss müde und betrunken und hatte keine Lust mehr, aus fremden Händen zu lesen?

So einfältig und unbedeutend dieses Erlebnis eigentlich war... man kriegt es nicht mehr aus dem Kopf. 


Sonntag, 20. November 2011

Endlich Sonne!

Die Nebeltage haben langsam aufs Gemüt geschlagen!


 Heute endlich wieder einmal Sonne!

Herbstgarten


Donnerstag, 17. November 2011

Neunundzwanzig, Dreissig!


Herzlich willkommen!

Sind Blogger bloss Selbstdarsteller?

Eigentlich  wollte ich ja bloss hier kommentieren. Und mich auch nur ganz kurz fassen... Was wieder einmal gründlich misslungen ist und mich statt dessen dazu veranlasst, meinen eigenen Blog zu alimentieren.

Castorp wirft die Frage auf, ob wir Menschen (und die Blogger im Speziellen) nicht im Grunde der Dinge alle nur Selbstdarsteller sind. Vom Wunsche beseelt, den Mitmenschen unser wahres Ich zu zeigen und als das (an)erkannt zu werden, was wir wirklich sind.

Ich persönlich halte es nicht für erstrebenswert, dass meine Mitmenschen im realen Leben alle mein wahres Wesen erkennen. Es ist mir ganz recht, wenn nicht alle hinter meine Fassade blicken können. Wer zu viel von sich preisgibt, wird angreifbar und verletzlich. Ich möchte einfach bloss authentisch sein können und sein dürfen. Das reicht.

Natürlich sind wir Blogger in gewisser Weise alle Selbstdarsteller und es spielt keine Rolle, ob wir Banales aus unserem Alltag berichten, Lebenskrisen offenbaren oder Selbstgebasteltes präsentieren. Die Sehnsucht nach Anerkennung steckt in uns allen. Und niemand wird ernsthaft behaupten können, dass ihm die Zahl der eingetragenen Leser egal ist. Jeder neue Leser ist Balsam für das Ego. Jeder neue Kommentar eine Bestätigung. Aber es geht um mehr.

Das Bloggen eröffnet uns die Möglichkeit, im Schutz der Anonymität unseren Gedanken freien Lauf zu lassen, ohne dafür im realen Leben zur Verantwortung gezogen zu werden.  Es lässt uns Antworten auf offene Fragen finden. Es führt Gleichgesinnte zusammen und ermöglicht uns, in den Weiten des globalen Dorfs Menschen kennenzulernen, die auf der gleichen Wellenlänge sind, und die wir im realen Leben nie getroffen hätten. Menschen, die zu Freunden werden können, so dass wir aus der Anonymität heraustreten und ihnen Einlass in unser reales Leben gewähren. Menschen, die uns wertvolle Denkanstösse liefern und unser Leben bereichern. Darum geht es. Nicht nur. Aber vor allem.


Montag, 14. November 2011

Begegnung mit Leo

Sie hat stattgefunden! Unsere erste Begegnung mit Händedruck und Wangenküsschen.


Eine Zeitlang schien unser Treffen auf der Kippe zu stehen. Am Vortag hatte er beim  Eishockeytraining (Bodycheck) einen üblen Sturz erlitten und sich eine Schulter- und Handverletzung und eine Hirnerschütterung zugezogen. Nach kurzer Benommenheit hat er trotzdem weitergespielt, bis ein zweiter Sturz ihn endgültig ausser Gefecht gesetzt hat. Seitdem spürt er eine grosse Müdigkeit, hat ein bisschen Kopfschmerzen, keinen Appetit, gelegentlich auftretende Schwindelgefühle und reagiert sehr sensibel auf Lärm. Aber er gehört zur Kategorie der "harten" Kerle und zum Arzt geht man deswegen noch lange nicht...  Männer wie er bemühen gerne das Motto "Was mich nicht umbringt, macht mich stark"... 


Aber ein  Macho ist er deswegen nicht. Er ist keiner dieser Männer, die gerne im Mittelpunkt stehen und mit lauter Stimme den ganzen Tisch unterhalten. Eher das Gegenteil. Er spricht ruhig und besonnen, mit sonorer Stimme aber nicht laut. Wägt seine Worte ab, wirkt ernst und sein trockener Humor ist subtil.


Da war sie wieder. Diese attraktive Mischung aus dem harten Kerl, der im Sport ein Draufgänger ist und mit seinen Freizeitaktivitäten oft bis ans Limit (und ein bissschen darüber hinaus) gegangen ist, mit eiserner Disziplin seinen Körper trainiert und ihm alles abverlangt hat, im Innern aber scheu und sensibel zu sein scheint und niemanden - schon gar keine Frau - so richtig an sich heranlässt. Eine ziemlich attraktive Mischung, die  mich schon vor zwanzig Jahren fasziniert hat.


Die etwas bullige Figur - eine Folge des jahrelangen Krafttrainings - steht irgendwie im Widerspruch zu seinem feinen Gesicht  mit den schmalen Lippen, die so sensibel wirken, und den warmen braunen Augen. Nicht haselnussbraun, wie ich sie in Erinnerung hatte, sondern dunkelbraun. Ob sich die Augenfarbe im Laufe des Lebens verändert? Wer weiss...


Wir haben uns nur eine gute halbe Stunde  alleine unterhalten können. Dann gesellte sich eine Jahrgängerin zu uns und wir haben zu dritt über Ernährungsirrtümer, Sport und Gesundheit gesprochen. Als es Zeit wurde, in den Speisesaal zu wechseln, hat er sich verabschiedet. Der Lärmpegel war hoch und es war eine vernünftige Entscheidung.


Leo hat mir am nächsten Tagen ein SMS geschrieben und gesagt, dass er gerne geblieben wäre, wenn er gekonnt hätte. 


Ich weiss, dass es keine Ausrede war und ich habe mich gefreut, dass er trotz seiner gesundheitlichen Probleme  kurz vorbeigeschaut hat. Der Treffpunkt war ja zum Glück auch nur fünf Autominuten von seinem Zuhause entfernt. Er war wohl auch einfach neugierig darauf zu sehen, was aus der Rosalie von damals geworden ist...


Er hatte mich eine Stunde vor dem Treffen noch gefragt, wie man sich denn für das Jahrgängertreffen so kleidet. "Casual! Einfach so, wie Du Dich wohl fühlst!" hatte ich geantwortet. "Ok - ich komme im Pijama! ;-))" hatte er zurück gesimst.


Ich hatte ihn als "schnieken" Jungen in Erinnerung. Aber wohl auch deshalb, weil wir Ende der 80er Jahre alle in diesen schrecklichen Bundfaltenhosen und Lumberjacken rumgelaufen sind und uns "herausgeputzt" haben.  Und da Leo alleine in einem grossen Haus wohnt, ein deutsches Auto der gehobeneren Preisklasse fährt und im Sommer  seine Freizeit auf den Golfplätzen dieser Welt verbringt, hatte ich erwartet, dass er heute eine randlose Brille trägt, ein Poloshirt mit Label und eine sportliche dunkle Hose...


Der Mann, den ich am Samstag Abend getroffen habe, trug eine freche, farbige Brille, ein Sweatshirt mit Kapuze (auf  neudeutsch "Hoodie"), eine braune Hose im Cargostyle, braune Sneakers (früher nannte man das Turnschuhe) und ein knallrotes Sweatshirt!


Erfrischend! :-)))


Bin gespannt, ob und wie sich unser SMS-Austausch weiterentwickeln wird und ob es ein weiteres Treffen (nächstes Mal zu zweit!) geben wird... On verra!